Mit der Reizangel richtig umgehen

Ich beschäftigte mich die letzten Wochen intensiv mit dem richtigen Gebrauch einer Reizangel. Immerhin handelt es sich hier um einen Gegenstand, der Hunde schnell überfordern kann, deswegen wollte ich von Beginn das gemeinsame Spiel kontrollieren . Die Reizangel interessierte mich, da Sasha mittlerweile über ein Jahr alt ist und ihr Temperament uns so einiges abfordert. Einfach nur gemütlich im Wald umherlatschen, das reicht ihr einfach nicht. Jeden Tag die gleichen Intelligenzspiele, das reicht uns für sie nicht. Also musste was her, was ihrem körperlichen Bewegungsdrang und ihrer Intelligenz entgegenkommt: Die Reizangel. Ein wunderbares Instrument, so viel sei vorneweg gesagt!

Inhaltsverzeichnis

 

Longierpeitsche
Eine Longierpeitsche als Reizangel

Was ist eine Reizangel?

Eine Reizangel besteht aus einem bis zu 2 Meter langem Stab, an dessen Ende eine ebenso lange Schnur befestigt ist. Und am Ende der Schnur baumelt das, was der Hund haben möchte. Sei es, ein Stofftier, sei es sein Lieblingsquietschi. Wir benutzen als Reiz ein Flatterband aus Plastik, da hier der Vorteil in der leichten Reinigung liegt. Die Wiese ist nass? Macht nichts, dann wird das Flatterband einfach kurz unter das fließende Wasser gehalten und fertig. Als Stab nutzen wir eine einfache Longierpeitsche, wie sie im Reitsport eingesetzt wird. Unser Modell kostete um die 18 Euro bei amazon: HKM Longierpeitsche zum Zusammenschrauben, Länge 180 cm. Allerdings lag unser Augenmerk auf der Funktionalität, so sollte die Schnur an einem vernünftigen Gelenk befestigt sein, damit sich diese quasi alleine drehen kann. Und wir wollten eine Reizangel, die sich gut verstauen lässt – ergo in zwei Teile zerlegbar ist.

HKM 540312 Longierpeitsche zum Zusammenschrauben, S
11 Bewertungen
HKM 540312 Longierpeitsche zum Zusammenschrauben, S
  • Angenehme Passform, bietet auch bei längeren Tragezeiten einen optimalen Sitz und Komfort
  • Reißfest
  • Strapazierfähig

Letzte Aktualisierung am 1.04.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Der Zweck einer Reizangel

Mit einer Reizangel animiert man den Hund, das “Reizding” zu jagen. Der Vorteil dieser kontrollierten Jagd liegt darin, dass sich der Hund recht dicht am Hundeführer befindet. Dadurch kann mit dem Spiel- und Lerngerät eine breite Palette an Lerneffekten gesetzt werden. Mit einer Reizangel kann ein Hund körperlich und geistig ausgelastet werden. Das ist besonders an Tagen sinnvoll, die sich vielleicht wettermäßig nicht unbedingt für lange Spaziergänge eignen. Bei meinen Recherchen und Fragen zu der Reizangel stieß ich immer wieder auf ein Argument, welches ich mittlerweile selbst entkräftigen kann: “Wird der Hund dadurch nicht erst recht zum Jagen animiert?” Nein, das wird er bei korrektem Einsatz der Reizangel nicht. Eher das Gegenteil tritt ein, denn der Hund lernt ja, auf Kommando von der Jagd abzulassen.

Reizangeltraining ist Hochleistungssport

 

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Reizangel einzusetzen:

  • Ihr möchtet euren Hund lediglich körperlich auspowern.
  • Die Reizangel soll sowohl Muskeln als auch Hirn der Fellnase fordern.

Für welche Hunde eignet sich eine Reizangel?

Im Prinzip kann jeder ausgewachsene Hund mit einer Reizangel beschäftigt werden. Selbst ältere Hunde können mit dem Instrument “bespaßt” werden, sofern sie ihr Jagdtempo selbst bestimmen dürfen. Allerdings hat nicht jeder Hund Freude an der Reizangel, so interessiert sich beispielsweise unsere Nele überhaupt nicht für die Beute – und das ist dann auch in Ordnung.

Wichtig!
Das Training mit einer Reizangel darf nur mit vollkommen ausgewachsenen Hunden ausgeübt werden!
Sasha bei der Jagd

Der Typ Hund

Bevor Ihr schwungvoll die Beute kreisen lasst, sollten die Muskeln des Hundes aufgewärmt sein. Direkt vom Wohnzimmer in den Garten – und los, das wäre eine schlechte Idee. Ein wenig rumtoben hier, ein bisschen Bällchen werfen lassen da, Hauptsache, die Fellnase startet mit aufgewärmten Muskeln zum Training mit der Reizangel .

Zwei, nein drei Möglichkeiten gibt es, wenn Ihr mit eurem Liebling erstmals auf die Wiese geht, um ihn mit der Reizangel zu fordern:

  1. Er schnappt vor Begeisterung fast über.
  2. Er findet das alles ganz nett, hat aber keine wirkliche Lust.
  3. Es interessiert ihn einen feuchten Kehricht, so sehr ihr auch mit der “Beute” vor ihm herumfuchtelt.

Zum 1. Typ Hund:

Bei den Hunden, die völlig begeistert dem Reiz hinterherjagen, ist die Gefahr der Überforderung enorm groß! Ihr müsst der Fellnase also Einhalt gebieten, bevor er sich selbst schadet. Es gibt durchaus Hunde, die jagen die Beute bis zur völligen Erschöpfung – das darf natürlich nicht passieren! Da ihr euren Hund kennt, müsst ihr auf kleine Zeichen der Erschöpfung achten. Vielleicht wird er langsamer, oder er legt sich mittendrin ab. Dann befindet er sich bereits über dem Rand dessen, was er eigentlich an Bewegung bekommen sollte. Immerhin handelt es sich beim Reizangeltraining um Hochleistungssport, mit belastenden Einheiten für den Muskel- und Gelenkeapparat des Hundes.

Zum 2. Typ Hund:

Der Hund zeigt sich anfangs ganz angetan von dem neuen Spielzeug, wendet sich aber dann wieder dem Grasfressen zu? Dann müsst ihr ihm das Hetzen der Beute schmackhaft machen. Wählt  als Reiz etwas, was dem Hund besonders gut gefällt, sein Lieblingsspielzeug oder vielleicht sogar einen harten Kauknochen. Sucht einen Ort, an dem der Hund so wenig als möglich Ablenkung erfahren kann.

Zum 3. Typ Hund:

Euer Hund mag der Beute überhaupt nicht hinterherhetzen? Dann ist natürlich die Frage, ob er es denn muss. Vermutlich hat er andere Vorlieben, mittels denen er sich auslasten lässt. Sicher, ihr könnt versuchen, ihn zu animieren, aber ob das sinnvoll ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Unsere Nele sieht überhaupt keinen Sinn darin, dem Ding nachzujagen und für uns ist das völlig in Ordnung. Schließlich soll es nicht uns Menschen Spaß machen, sondern auch dem Hund!

Beute loslassen gehört zum Training.

Das Training mit der Reizangel

Ihr könnt natürlich mit der Reizangel euren Hund einfach nur auslasten (Vorsicht: nicht überlasten!) oder ihr nutzt dieses Instrument als wertvolle Erziehungshilfe. Als reine Bewegungsmaßnahme lasst ihr ihn kurze Zeit hinter der Beute herjagen, dabei achtet ihr darauf, dass er diese recht zügig fängt, so bleibt die Motivation.

Beherzigt das ganz besonders, wenn Ihr Hund das Training mit der Reizangel noch nicht kennt. Idealerweise verläuft das Training in der Folge:

  • Ihr dreht euch und lasst die Beute “fliegen”.
  • Der Hund jagt hinterher und schnappt sich diese.
  • Idealerweise bringt er sie jetzt zu seinem Frauchen / Herrchen.
  •  Im Gegenzug gibt es ein Leckerli.

Die meisten Hunde drehen vor Glück fast durch, wenn sie die Beute zu fassen bekommen. Sie rennen weiter oder verschütteln sie. Um es kurz zu machen – der Großteil der Hunde macht alles mögliche mit dem Reiz, nur nicht brav zu Frauchen oder Herrchen in die Mitte des Radiuskreises der Reizangel zu tragen beziehungsweise sich neben ihm abzulegen. Siehe einfach das Video unten, das wir mit Sasha mal gemacht haben. Auch sie bringt es nicht zu uns, daran arbeiten wir aktuell noch. Allerdings haben wir überhaupt keinen Anspruch daran, das Reizangeltraining bis zur Perfektion professionell zu betreiben. Sasha hat Spaß daran. Soll sie haben. Punkt. Fertig.

Wenn ihr unbedingt wollt, dass das Ganze etwas mit Disziplin verbunden sein soll und euer Hund die “Beute” bringen soll, dann geht das Folgendermaßen:

  • Gleich nach dem Fangen beginnt ihr, die Beute mit einem Kommando zu euch heranzuziehen.
  • Eine zweite Variante: Den Hund direkt nach dem Fangen der beute “Platz” machen zu lassen.
  • Im Tausch gegen seine Beute bekommt er das Leckerli.
  • So sollte er recht schnell lernen, dass Ihr Kommando bedeutet, dass er die Beute wahlweise bringen oder loslassen soll, dafür seinen “Lohn” erhält und das Spiel beginnt von vorne.

Die Königsdisziplin

Es gibt eine exzellente Möglichkeit, einem gerne jagenden Hund unter Kontrolle zu bekommen. Dazu muss er lernen, sich während der Hatz abrufen zu lassen. Ich übte mit Sasha von Anfang an Folgendes: Sie macht “Sitz”, während ich bereits die Beute kreisen lasse. Natürlich, zu Beginn mussten wir Sasha noch festhalten, zu groß war der Eifer, sofort mit der Jagd zu beginnen. Doch innerhalb kürzester Zeit hatte sie begriffen, dass sie nur nach meinem Kommando ihre Beute jagen darf. Deswegen empfiehlt es sich unbedingt, mit zwei Leuten das Training anzugehen. Einer kümmert sich um die Bewegung der Reizangel, der andere ist für den Hund zuständig.

Um den Hund direkt aus der Hatz abzurufen, müssen beide Hundeführer blitzschnell agieren.

  • Der Hund hetzt der Beute nach.
  •  Auf ein Kommando (Platz, Sitz) wird die Reizangel sofort zum Stillstand gebracht.
  • Der zweite Hundeführer sorgt dafür, dass der Hund das Kommando ausführt.
  • Auf ein weiteres Kommando (Los..) darf der Hund seine Jagd wieder fortsetzen.

Diese Übung lässt sich steigern, indem der Hund per Kommando zum Sitz oder Platz gerufen wird – und die Reizangel wird weiter bewegt. Sitzen diese Trainingseinheiten, könnt ihr dazu übergehen, den Hund mitten aus der Hatz abzurufen, ohne ihre eigene Bewegung mit der Reizangel zu verlangsamen. Wenn der Hund das kann, ist das absolut fantastisch!

Zweiteilige Longierpeitsche
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