Auslandshund vs deutschem Tierheim-Hund

Griechenland und Russland

Vielleicht haben Sie die aufregende Geschichte um “Flecki” mitbekommen? Ein Paar harrte tagelang an einer Autobahnraststätte aus, weil sich ihr Hund “Flecki” – den sie aus Kroatien hatten – bei einem lauten Knall so erschrak, dass er das Weite suchte. Letztendlich gab es ein Happy-End und eigentlich geht es in diesem Artikel auch überhaupt nicht um Fleckie. Ich wählte nur diese Einleitung, da ich diverse Kommentare zu dem Fall des verschwundenen Hundes in den sozialen Netzwerken gelesen habe. Unter anderem gab es völliges Unverständnis darüber, warum sich die Leute einen Hund aus Kroatien holten, anstatt einen aus einem deutschen Tierheim. Und genau das nehme ich für den heutigen Artikel als Thema.

Nele aus Ungarn
Nele aus Ungarn

Auslandshund oder ein Hund aus einem deutschen Tierheim?

Vorneweg: ich kann das Unverständnis darüber, sich einen Tierschutzhund aus dem Ausland zu holen, nicht nachvollziehen. In einem Kommentar “wusste” eine Dame ganz genau, dass die Hunde aus dem Ausland alle krank sind und horrende Tierarztrechnungen mit sich bringen. Aha, das wusste ich beispielsweise noch nicht und ich habe seit vielen Jahren Hunde aus dem Ausland. Ein junger Mann grölte, dass die Menschen, die sich für einen Hund aus dem Ausland entscheiden, ein “Gutmensch-Syndrom” hätten und er fände es zum Kotzen. Gut, dann habe ich aber gerne ein “Gutmensch-Syndrom”. Und im Übrigen – hätte jeder solch ein Syndrom, wäre die Welt ein besserer Ort.

Griechenland, Ungarn, Russland (v.links)
Griechenland, Ungarn, Russland (v.links)

Wie auch immer, beleuchten wir die Sache doch mal von einer anderen Seite:

Was unterscheidet deutsche Tierheime mit denen in diversen Ländern?

In einem deutschen Tierheim geht es den Hunden relativ gut. Ich sage extra “relativ”, natürlich haben sie dort keinen Familienanschluss und bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Aber – ihr Leben ist nicht in Gefahr, sie sind unter Artgenossen, die meisten Tierheime freuen sich über Gassigänger und sie bekommen regelmäßig Futter. In einem ausländischen Tierheim sind die Zustände nicht immer optimal. Die dort untergebrachten Tiere landen nicht selten in der Tötungsstation – etwas, was es in Deutschland glücklicherweise nicht oder zumindest sehr eingeschränkt gibt. Im Übrigen sind die deutschen Tierheime nur deswegen so voll, weil sich unfähige, dumme und minderbemittelte Menschen einbilden, einen Hund haben zu müssen, um dann festzustellen – oh, der macht mir ja Arbeit und der hat auch noch Bedürfnisse. Aber man kann ihn einfach abzugeben. Wie praktisch. Kämen nur die Hunde und Katzen ins Tierheim, bei denen echte Not vorliegt, dann wären die Tierheime nur zu einem Viertel gefüllt, wenn überhaupt.

Sasha aus Griechenland
Sasha aus Griechenland

Ein Auslandshund verdankt seinen Aufenthalt in einem Tierheim den Menschen, die sich aufopferungsvoll um die vielen Straßenhunde kümmern. Oft geht es den Einwohnern des Landes selbst schlecht und hier bewahrheitet sich mal wieder der Spruch: “Geht es den Menschen gut, geht es auch den Tieren gut”.

Wird ein Auslandshund nicht innerhalb einer kurzen Frist vermittelt, endet er in der Tötungsstation. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den deutschen Tierheimen.

Ein Auslandshund nimmt einem deutschen Tierschutzhund den Platz weg

So ein Blödsinn. Wer dieser Meinung ist, hat sich nur oberflächlich mit dem Thema befasst. Rein logisch betrachtet, stimmt es. Hole ich mir einen Hund aus dem Ausland, bleibt dafür ein anderer im Tierheim. ABER: Was sitzt denn zum großen Teil im Tierheim? Große, schwarze Hunde, “Listenhunde” oder Hunde, die nie ein normales Leben kennenlernten und sich dementsprechend verhalten. Wohlerzogene Hunde sitzen nicht lange im Tierheim – das sind dann meist die “echten” Notfälle, etwa weil Frauchen oder Herrchen verstarb oder weil der Säugling der Besitzer eine Allergie entwickelt. All die “echten” Notfälle lasse ich natürlich außen vor! Also, wer so etwas sagt, möge bitte diejenigen angreifen, die sich ein ach so süßes Wollknäuel holen und es im Tierheim abgeben, weil es zu groß ist oder etwaige Verhaltensauffälligkeiten zeigt – durch menschliches Unvermögen, wohlbemerkt!

Amy aus Spanien, Nele aus Ungarn
Amy aus Spanien, Nele aus Ungarn

 

Tierheime und ihr seltsames Gebaren

Einige Tierheime sind meiner Meinung nach selbst schuld, dass sie total überfüllt sind. Es ist einfacher, einen gebrechlichen Menschen aus einem Altenheim zu holen, um mit ihm im Park spazierenzugehen, als einen Hund aus dem Tierheim zu bekommen. Zumindest bei einigen Tierheimen. Nicht falsch verstehen, ich finde es richtig und gut, Menschen genau anzuschauen, die ein Tier zu sich holen möchten. Aber bitte! Alles hat seine Grenzen! In einem Tierheim in Baden-Württemberg: Jemand möchte einen Hund. Er sucht sich einen aus, der zu ihm passen könnte. Danach muss er bis zu 10x kommen, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Sein Alltag wird genau durchleuchtet. Was? Der Hund wäre pro Tag drei Stunden allein? Auf gar keinen Fall! Dann bleibt der Hund eben im Tierheim. Basta.

Eine andere Anekdote, über die ich immer noch völlig entsetzt bin: Einst schaute ich sehr gerne die Sendung “Tiere suchen ein Zuhause”, die im WDR lief oder noch immer läuft. Ein Hund hat es mir sofort angetan. Ich wohnte damals in Baden-Württemberg und der Hund in einem Kölner Tierheim. Ich rief also die eingeblendete Nummer an und sagte, dass ich mich für den Hund interessieren würde. Die Dame am anderen Ende der Leitung war dermaßen schnippisch, als sie erfuhr, von wo wir kamen, dass es fast schon als frech zu bezeichnen war. Sie unterstellte uns sofort unlautere Absichten und stellte auch fix klar, dass wir diesen Hund auf gar keinen Fall bekommen. Super. Was macht also jemand anderes? Er marschiert zum Züchter und voilá, ein Hund mehr im Tierheim.

Von den seltsamen Auflagen verschiedener Tierheime hörte ich schon oft und bezüglich einer Katze betraf es mich selbst. Ich wollte eine Katze mit einer Behinderung aufnehmen samt ihrer Schwester. Aber – ich war am Tag zusammengefasst rund sechs Stunden außer Haus. Die Katze starb im Tierheim.

Alle Hunde verdienen ein schönes Leben!
Alle Hunde verdienen ein schönes Leben!

Drei Nationalitäten unter einem Dach

Ich habe drei Hunde. Eine ist aus Spanien, eine aus Ungarn und eine aus Griechenland. Die aus Ungarn hat einen Schilddrüsenunterfunktion – das kann jeden Hund treffen. Die aus Spanien hat eine Haussatubmilbenallergie, kann auch jeden treffen. Die aus Griechenland hat nichts. Wer der Meinung ist, mit den Hunden aus dem Ausland schleppe man sich Krankheiten ein, der verbringt seinen Urlaub hoffentlich immer in Deutschland? Ich möchte meine drei nicht mehr missen. Sie kamen geimpft und gechipt aus ihren entsprechenden Ländern zu uns. Bei Nele aus Ungarn mussten wir sogar noch drei Monate länger als geplant warten, damit sie alle ihre Impfungen erhält. Wir wurden natürlich vorab kontrolliert. Wir unterschrieben einen völlig normalen Vertrag über die Aufnahme eines Tierschutzhundes. Auf deutsch. Nach einiger Zeit kam eine Nachkontrolle, die prüfte, ob sich der Hund in einem vernünftigen Zustand befindet.

Mogli, Russland, Sasha, Griechenland
Mogli, Russland, Sasha, Griechenland

Amy aus Spanien
Amy aus Spanien

Fazit

Für mich hat jeder Hund ein glückliches Leben verdient! Völlig egal, aus welchem Land er stammt. Die Tierheime hierzulande sind aus zwei Gründen so voll:

  1. Viele Leute holen sich unbedarft einen Hund.
  2. Die Tierheime tun sich teilweise extrem schwer damit, einen Hund abzugeben.

Es scheint zwar nicht so, aber es gibt immer noch genug tierliebe Menschen, die einfach einem Hund ein Zuhause geben möchten. Aber dafür 10 mal antanzen? Und sich anzweifeln lassen? Und missträusch beäugen lassen? Nein danke. Wir persönlich sind sehr glücklich mit unseren dankbaren Hunden aus dem Ausland. Und wir wurden von der Tierschutzorganisation zu jedem Zeitpunkt kritisch – aber immer freundlich behandelt.

Haben Sie andere Erfahrungen? Schildern Sie diese doch unten im Kommentarfeld. Ich weiß um die “Sprengkraft” bei diesem Thema und freue mich immer über Berichte, auch wenn diese eine vollkommen andere Meinung widerspiegeln.

 

10 Kommentare zu Auslandshund vs deutschem Tierheim-Hund

  1. Da lob ich mir das Tierheim, aus dem mein Katerchen Simba stammt. Ja, sie wussten, ich hatte bis vor kurzem Katzenallergie, und einige Damen waren sehr skeptisch. Ich habe aber den Sommer über ehrenamtlich im Katzenhaus ausgeholfen. 1. als Test für mich, 2. damit die wissen, mir ist es ernst und ich hab das Problem im Griff.
    Bei meinem Umzug in die eigene Whg bekam ich dann den Kater mit. Der hatte den ganzen Sommer im Tierheim verbracht. War 2x zurückgegeben worden: Huch, der verträgt sich nicht sofort mit den ansässigen Katzen? Huch, der hat ein Rotznäschen, das evt. Behandlung braucht? Und huch, Katzenimpfungen macht der Tierarzt NICHT gratis? Also flugs den Kater zurück ins Heim. Ähnliches hatte ich auch bei anderen Kätzchen gesehen: Keinen Dunst vom Tier, keine Geduld, ein winziges Problem, das etwas Aufmerksamkeit erfordert hätte, um es zu lösen? Dann lieber das Tier zurückgeben. Seltsame Einstellung. Machen die Leute das auch mit ihren Kindern so, wenn die nicht “funktionieren”?

    Leider bekam ich Simba nur mit der Auflage “Einzelkatze”, weil er doch etwas hm, territorial zu sein schein? Bislang keine Kontrolle. Ich halte die Truppe selber und freiwillig auf dem Laufenden und würde eine Kontrolle nicht scheuen.
    Die Heimleiterin meinte: Wissen Sie, selbst wenns schief geht, hätte der Kerl bei Ihnen doch ein paar schöne Wochen. Das Risiko gehe ich ein.
    Ich finde ihre Denkweise gut und bin froh über den lieben Hausgenossen.
    Nur traurig, dass solche Tierheime einen relativ hohen “Rücklauf” an Tieren haben.

    • Hallo Barbara,

      vielen Dank für Deinen Beitrag. Stimmt schon, viele Leute machen sich einfach keine Gedanken darum, was es bedeutet, ein Tier zu haben. Dennoch denke ich, die Tierheime wären nicht so voll, würde man nicht dermaßen misstrauisch beäugt werden. Die Trulla damals von “Tiere suchen ein zuhause” verhielt sich so, als ob wir den Hund auf der Stelle aufessen werden, sobald wir ihn haben. Die war völlig entsetzt darüber, dass jemand aus einem anderen Bundesland kommen wollte. Und somit war für die ganz klar – hier stimmt was nicht.

      LG

      Martina

  2. Ich gebe euch beiden Recht. Ich habe auch schon von vielen Leuten gehört dass es nicht einfach ist einen Hund aus einem Tierheim zu bekommen. Da würde man eher ein Kind adoptieren können, als einen Hund aus einem Tierheim zubekommen.

    Aber es stimmt nicht immer, dass es für die Hunde besser ist, wenn sie in anderen Ländern vermittelt werden. Weil es an dem jeweiligen Land liegt. Die haben dort weder so viel Verständnis, Liebe noch allgemein Zuneigung zum Hund. Die kennen es nicht. In Manchen Ländern müsste man erst mal “vor der eigenen Haustüre kehren”, also ich meine dort im land mit den Menschen arbeiten und sie dann im eigenen Land an die Menschen vermitteln, nach dem man ihnen geholfen hat die Sichtweise, den Umgang und die Verantwortung zu erlernen.

    Aber hier in Deutschland ist es leider oft auch nicht anders, wie man in den Beiträgen sehen kann, das oft Tierschützer verwahrloste Hunde retten. Oder och bis du aber süß, und dann werden sie ausgesetzt oder in ein Tierheim gebracht, weil man sie nun nicht mehr haben will. Die Tierheime platzen aus den Nähten, aber man bekommt kaum einen Hund.

    Als Erstbesitzer ist es noch schwieriger.

    Auch Ceasar Milan hilft dort entweder Vorort, oder in den Familien die einen Hund gerettet haben. Denn es haben viele Hunde sehr viel Leid erlebt und da wundert es einen nicht, dass manche in ihrem Verhalten anders sind, vielleicht auch aggressiv werden. Oder leider auch sehr krank sind dass sie entweder bald eingeschläfert werden müssen oder wie unsere Älteren Menschen im Heim schon ein Frühstück an Tabletten bekommen, weil es soo viele sind.

    Mir tun Tiere leid, die gequält, eingesperrt ausgesetzt oder sogar deswegen umgebracht werden.
    Dann bekommen meiner Meinung nach die falschen oft Nachwuchs und wo hin dann mit dem Hund/Katze Denn viele wollen weder den Nachwuchs und sich darum Kümmern, geschweigenden ist ja auch nicht jeder Züchter und sucht ein schönes Zuhause für die Kleinen. Und wir wissen alle was mit den Tieren dann am ende, die kein netter Nachbar, Freunde/Verwandte nehmen am Ende passiert.

    Es muss sich viel ändern, damit zum einen die Tierheime entlastet werden, den Tieren auch in ihrer Heimat gut geht aber auch die Menschen hier in Deutschland mehr Verantwortung haben und einen besseren Umgang mit den Tieren erlernen.

    Ich finde es schön, dass ihr den Tieren ein neues, liebevolles zuhause gegeben habt.

    LG Tanja

    • Hallo Tanja,

      vielen dank für Deinen Kommentar. Richtig – es liegt an den Menschen. Leider gibt es immer noch zu viele “depperte” Idioten, für die Tier halt irgendein Viech ist, das beliebig ausgetauscht werden kann.

      LG

      Martina

      • Da hast du vollkommen Recht. Für manche ist ein Tier wie ein Möbelstück. Wenn es einem nicht mehr gefällt schmeißt man es weg, gibt es jemand anderem oder stellt es einfach draußen hin, da wird sich schon jemand drum kümmern. Und so ist es mit den Haustieren auch. Leider sehr schade.

  3. Liebe Leser und Verfasser dieses Artikels!
    Ich kann dem Ganzen nur zustimmen. Auch ich habe leider die klägliche Verfahrnsweise in mehreren Tierheimen in NRW gemacht.
    Als unser damaliger Hund verstarb, wollte ich einer armen Seele einen neues Körbchen mit viel Liebe schenken. Aber weit gefehlt!!! Kritische Fragen – was ja nicht unbedingt schlecht ist. 8-10 Mal sollte ich den Hund abholen. Im Tierheim meine Erahrungen mitteilen etc. Eine never ending Story. Unglaublich! Ich hatte teilweise das Gefühl, die wollen überhaupt nicht, dass ein Tier ein neues Zuhause findet.

    Nun ja, dann kam ich durch Nachbarn auf Hunde aus Griechenland. Sie hatten tolle Tiere, geimpft, gechipt, total lieb und pflegeleicht.
    So kam dann unsere Hündin Joy zu uns. Ein Engel auf Erden!!! Kerngesund, lieb, schmusig, folgsam…. Ich könnte endlos weitermachen. Die Vermittlung war kritisch, aber gut. Wir wurden besucht und gecheckt, so sollte es sein. Leider verstarb unsere Maus nach 9 Jahren an einem Gehirntumor.

    Im letzten Jahr wurden wir dann zu Wiederholungstätern! Wir haben die nächste Hündin aus Griechenland geholt. Wir würden wieder besucht, gecheckt und für gut befunden 😉
    Sie ist ein ganz anderer Charakter als unsere letzte Hündin und das ist auch gut so.
    Fakt aber ist:
    Sie ist ein Wirbelwind, verträglich mit allen Hunden und auch Katzen, sehr lieb und änhänglich! Kerngesund! Und wir würden sie für kein Geld der Welt hergeben!!!!

    Und noch eins: wenn ich auch dieses Guthelfersysdrom habe, dann ist das super so!!! Und ich bin stolz darauf!!! So wurde ich erzogen und ich würde mir wünschen, dass alle Menschen wenigstens einen kleinen Teil dieses Syndroms hätten!!!

    Was wären wir für ein glücklicher Planet!

      • Hallo Jutta,

        Es freut uns sehr, dass Du dem auch zustimmst. Ich wusste ja nicht, dass Eure vorherige Hündin auch aus dem Ausland war. Naja, da gibt es dann doch schon wieder eine Gemeinsamkeit. Sasha lässt auch schön grüßen. Ich glaube die Zwei (Sasha und Meira) sind sich sehr sehr ähnlich, nachdem wie Du sie immer beschreibst.
        Liebe Grüße
        Carola

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