Wie bringe ich meinem Hund das Rückwärtslaufen bei?

Ein rückwärtslaufender Hund? Wozu soll das gut sein? Warum soll mein Hund das können? Es ist im täglichen Umgang nicht wirklich wichtig, ob Hunde das können oder nicht. Aber es ist eine wunderbare Übung, die einerseits die Unterordnung Ihres Hundes stärkt und andererseits das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Liebling festigt. Zudem haben Sie den Vorteil, dass der Blickkontakt zwischen Ihrem Hund und Ihnen nicht unterbrochen wird.

Das generiert die Möglichkeit, Ihrem Hund während dieser Übung weitere Kommandos per Handzeichen zu geben. Das Rückwärtslaufen ist für Ihre Fellnase eine unnatürliche Gangart. Es wird ihm bei dieser Übung geistig viel abgefordert, sodass Sie neben der körperlichen auch eine geistige Auslastung erzielen. Achten Sie darauf, viele Pausen einzulegen und immer eine Belohnung zur Hand zu haben. Bello soll etwas für Sie tun, also müssen Sie Bello auch ausreichend belohnen.
Eines noch: aufgrund der unnatürlichen Gangart werden Muskeln beansprucht, die sonst nicht so sehr „arbeiten müssen“. Muskelkater ist ergo vorprogrammiert.

Wichtig!
Hunde, die ein Rücken- oder Hüftleiden haben, dürfen diese Übung nicht ausführen!

Die Vielfalt der Trainingsformen

Die Einfachste der Trainingsformen stelle ich Ihnen heute vor.
Zunächst müssen Sie für diese Übung ein wenig Vorarbeit leisten. Bauen Sie einen schmalen Gang. Am besten an einer Wand entlang, so brauchen Sie nur eine „befestigte Wand“ bauen. Der „Gang“ sollte so schmal sein, dass Ihr Vierbeiner keine Möglichkeit hat zu wenden. Dazu können Sie Holzstangen, Kartonagen oder Möbelstücke verwenden. Wer mag, schnappt sich Partner oder Kinder und legt diese gestapelt hin, so dass ein Gang entsteht. Spaß!
Wichtig ist, das die Höhe stimmt, denn unsere Vierbeiner können sehr kreativ werden, wenn sie aus einer Situation flüchten wollen. Das „untendurch Krabbeln“ sowie das „darüber Springen“ sollten Sie verhindern.

Schritt 1

Zunächst muss Ihr Hund erst einmal verstehen, dass Ihr selbst gebautes „Gebilde“ keinerlei Gefahr beinhaltet. Lassen Sie ihn alles beschnüffeln und es ausgiebig erkunden. Werfen Sie immer wieder mal ein Leckerli in den „Gang“, aber nur ganz vorne, sodass er nicht ganz hinein muss. Wenn er/sie dies ohne Probleme tut, werfen Sie es immer weiter hinein. Sobald Ihr Hund soweit ist mit seiner ganzen Länge hinein zu gehen und keine Scheu mehr hat können Sie loslegen, aber nicht mehr heute. Ausgiebiges Belohnen und fertig.

Schritt 2

Führen Sie Ihren Vierbeiner vorwärts durch den „Gang“ bis zum Ende und bleiben dort stehen. Sie können das mit Hilfe einer Leine und Leckerlis tun. Positionieren sie sich neben den Gang. Nun beginnen Sie ihn mittels des Kommandos „zurück“, bewusst rückwärts zu schicken.
Sobald Ihr Liebling einen Rückwärtsschritt gemacht hat, machen Sie eine kurze Pause und loben Sie Ihn. Eventuell versucht Ihr Hund in seine Trickkiste zu greifen, um der Situation zu entfliehen. Behalten Sie die Ruhe, beschwichtigen Sie Ihren Hund bis er/sie wieder ganz ruhig ist und führen Sie ihn wieder auf Anfang. Nun das Ganze von Vorne, bis Ihr Hund mit langsamen Schritten einmal rückwärts durch den Gang ins „Freie“ gegangen ist. Das reicht für heute. Ihr Hund soll eine positive Bestätigung zurückbehalten und mit in die nächste Übungseinheit nehmen.
Übrigens: Seinen morgigen Muskelkater wird er nicht Ihnen zuordnen. Lassen Sie es an Tag zwei ruhig angehen – Sie wissen selbst am besten, dass Muskelkater unangenehm ist.

Schritt 3

Bei aller Ruhe, mit Leckerli und Duzi-Duzi machen Sie ihrer Fellnase konsequent klar, was sie möchten, also nochmal vorwärts bis ans Ende des „Ganges“, neben dem Hund positionieren und mit Kommando Rückwärtslaufen. Vergessen Sie nicht: „Rückwärtslaufen“ ist für Ihr Tier nichts Natürliches, Sie müssen es erst dazu machen. Haben Sie es geschafft, dass ihre Fellnase zumindest einen Schritt rückwärts geht, dann festigen sie diesen einen Schritt, indem sie nach jedem Rückwärtsschritt belohnen. Achten Sie trotz aller Belohnung und Lob darauf, dass Ihr Hund im Gang bleibt. Natürlich sollten sie jetzt darauf hinarbeiten, dass Ihr Hund bestenfalls den ganzen Gang an Ihrer Seite rückwärts läuft.

Pause vom Rückwärtslaufen

Loben, loben, loben – und ab in die Professionalität

Haben sie diese Übung über einen längeren Zeitraum mit Erfolg abgeschlossen, kommen wir zum nächsten Abschnitt unseres Trainings. Überlegen sie sich ein Handzeichen, welches Sie zu jedem Kommando zusätzlich ausüben. Es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie die Leine als Hilfestellung benötigen oder ob Sie sich zutrauen, ohne sie zu arbeiten.

Lassen Sie Ihren Hund vorwärts bis zum Ende des Ganges laufen und stellen sie sich jetzt vor ihn. Geben Sie das gewählte Kommando und gehen Sie gegebenenfalls langsam auf ihn zu. Ihr Hund wird sich „bedrängt fühlen“ und zurückweichen. Bingo – genau das was wir wollen! Jetzt heißt es loben und Belohnen, denn wir müssen aus dem „sich bedrängt fühlen“ etwas positives machen. Gehen Sie den ganzen Gang mit Kommando und Handzeichen auf ihn zu und wiederholen diesen Schritt zum festigen mehrmals, bis sie davon ausgehen können, dass Ihr Hund das Rückwärtslaufen verstanden hat. Behalten Sie das Leckerli in der Hand und führen Sie ihn so bis ans Ende des „Ganges“. Ein entsprechendes Handzeichen darf nicht fehlen, denn Ihr Liebling sollte später auf das Handzeichen reagieren, sodass Sie auch andere Kommandos hinzu fügen können. Ist Ihr Hund problemlos rückwärts hinaus gegangen, dann loben Sie ihn ausgiebig und hören Sie für heute auf. Je nach Tageslaune ihres Hundes oder gar Ihrerseits wird dies Zeit in Anspruch nehmen.

Die Königsdisziplin

Nachdem Sie auch diesen Abschnitt des Trainings mit viel Geduld, Ruhe und einigen Fehltritten gemeistert haben, kommen wir unserem Ziel immer näher und gehen zum nächsten Schritt über.
Ihr Vierbeiner sollte verstehen lernen, das er alleine rückwärts laufen soll – auf Ihr Kommando natürlich. Bleiben sie dazu am Ende des Ganges stehen und geben ihm das Kommando und Handzeichen. Als Hilfestellung können sie kleine Schritte auf ihn zu gehen, allerdings sollte er schon mindestens zwei Schritte ohne ihre Hilfe rückwärts gehen. Geschafft? Super, dann loben sie ihn sofort, denn nun haben Sie ihr Ziel schon fast erreicht. Diese Disziplin muss jetzt natürlich gefestigt werden, bis er den ganzen Gang rückwärts läuft, also heißt es wiederholen, wiederholen und nochmals wiederholen.

Da Ihre vierbeiniger Freund sowohl Kommando als auch Handzeichen kennt und den Gang ohne Probleme und Hilfestellung rückwärts abläuft, ist es an der Zeit, das ganze Prozedere im Freien ohne Gang zu testen. Ihr Hund wird sicher oft in Versuchung geraten, sich zu wenden also denken Sie an die sofortige Korrektur, damit sich keine ungewollten Fehler einschleichen. Das Ziel im Freien sind kleine Fortschritte, damit festigen sie jeden Erfolg.

Für jede Trainingseinheit rate ich 15 Minuten , länger sollten sie mit Ihrem Hund pro Einheit nicht lernen, allerdings können sie getrost 2 bis maximal 3 Einheiten am Tag einbauen. Wenn wir davon ausgehen das Sie 2 Einheiten am Tag das Rückwärtslaufen trainieren, wird Ihr Hund das neue Kommando schon nach wenigen Tagen drauf haben. Es liegt nun an Ihnen es noch weiter auszubauen und andere Kommandos wie „Steh“ oder „Sitz“ mit ein zu bauen oder den Rückwärtslauf aus 10-15 Meter zu erweitern.

Sie haben Ihr Ziel erreicht und können stolz sein, denn ihr habt noch viel mehr gelernt als das Rückwärtslaufen. Sie haben sich super in Geduld und Ruhe geübt und locker über kleine Niederschläge und Fehltritte hinweg gesehen und ihr Vierbeiner hat mit ihrer Hilfestellung sein Vertrauen zu ihnen gefestigt und ein neues Kommando gelernt.

So läuft der Hund perfekt rückwärts.

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