Vier Pfoten ohne Dach – aber happy

Tyson, er war immer da, wo was los war
Tyson - ein kleiner, mutiger Held.

Sicher haben Sie sie schon oft gesehen, die Obdachlosen mit ihren Hunden. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass es diesen Hunden sicher schlecht gehe, da sie kein Dach über dem Kopf haben und vermutlich nicht ausreichend ernährt werden. Ist das wirklich so? Ich habe einmal etwas genauer hingeschaut und festgestellt, dass die Hunde von Obdachlosen in der Regel deutlich mehr auf ihren Mensch fixiert sind als Hunde, die an der Leine „gutbürgerlicher“ Menschen geführt werden. Natürlich ist Obdachlosigkeit ein schweres Thema, es ist mit vielen Vorurteilen behaftet und birgt kontroverse Meinungen mit sich. In diesem Beitrag geht es nicht um die Obdachlosen selbst, sondern um deren Hunde.

 

Woran liegt die enge Fixierung des Hundes an “seinen” Obdachlosen?

Einfach erklärt: Sie sind „rund um die Uhr“ mit ihrem Mensch zusammen. Sie müssen nicht mühsam lernen, alleine zu bleiben. Jeder, der schon einmal einen Hund hatte, weiß um die Problematik dieses Aspekts der Erziehung. Oft reagieren Hunde mit Frust und zerstören Ihre Einrichtung oder sitzen bellend und weinend an der Tür, bis sich endlich der Schlüssel im Schloß dreht und Frauchen beziehungsweise Herrchen nach Hause kommen. Das braucht ein Hund der bei einem Obdachlosen lebt, nicht zu erlernen. Egal wohin sein Mensch geht, er ist immer bei ihm. Das ist auch der Grund warum viele Obdachlose ihre Hunde nicht an der Leine führen müssen. Alles was Mensch und Hund tun, tun sie gemeinsam. So sind diese Hunde deutlich stärker an Ihren Menschen gebunden und selbst im dichtesten Großstadtverkehr kleben diese Hunde meist an den Beinen ihres Menschen. Sie laufen nicht weg, sie vertrauen ihm mit allen Fasern ihres Lebens. Kaum ein Haushaltshund hat ein so enges Band zu seinen Haltern.

Warum sind diese Hunde meist so friedlich?

Auch das ist einfach zu erklären: Die Mensch-Hund-Beziehung ist einfach stimmig. Der Hund wird nicht vermenschlicht, so wie wir das gerne tun. Klar, auch ich “vermenschliche” hin und wieder meine Hunde. Sie werden mit einer Decke zugedeckt, wenn sie krank ( beispielsweise erkältet sind…) sind, sie werden umsorgt, gehegt, gepflegt – auch wenn mir sehr daran gelegen ist, sie artgerecht “Hund sein” zu lassen. Die Hunde von Obdachlosen bekommen genug Ansprache und Aufmerksamkeit und zwar zu jeder Zeit. Wenn es etwas zu essen gibt, dann wird geteilt. Wenn ein Hund einfach nach dem Essen schnappen würde, gibt es auf der Stelle eine Korrektur. Essen ist hier noch ein kostbares Gut. Da die Beziehung zwischen Beiden stimmt, reicht es, den Hund mit einem festen Strups in die Nacken-Hals Region zu korrigieren. Bei meinen Recherchen stellte ich mit Erstaunen fest, dass die meisten der Obdachlosen ihre Hunde genauso korrigieren. Woher sie das Wissen nehmen, dass Hunde auf diese Art auch als Welpe von den Eltern korrigiert werden? Keine Ahnung, vielleicht Intuition, vielleicht aber auch das Wissen aus vergangenen, besseren Zeiten.

Was stellen wir alles mit unseren Hunden an, wenn sie nicht so reagieren wie wir es uns wünschen? Vom Stachelhalsband bis hin zum Stromhalsband ist unsere Palette an Hilfsmitteln reich bestückt. Also natürlich nicht wir im Sinne von “ich” – aber es gibt genügend menschen, die ihre armen Hunde mit irgendwelchen Hilfsmitteln regelrecht “malträtieren”.  Dabei wäre es so einfach, die Obdachlosen machen es uns vor.

Was muss ein Hund ohne Dach überm Kopf können?

Nicht mehr als schon kann! Er ist Ansprechpartner, Wärmequelle, Alarmanlage und natürlich der beste Freund. Eigenschaften, die der Hund bereits in sich trägt und nicht erst erlernen muss. Er muss keine Rassemerkmale aufweisen und braucht keine Tricks erlernen. Er darf Hund sein. Ein wundervolles Geschöpf, auf das man sich verlassen kann.

Problem Gesundheitsvorsorge

Natürlich hat das Leben auf der Straße Nachteile. Viele, viele Nachteile. Hunde von Obdachlosen haben meist keine regelmäßige medizinische Versorgung. Dafür ist das Geld zu knapp. Bekommen sie keine unentgeltliche Versorgung, so werden eventuelle Verletzungen eben nur notdürftig versorgt. Impfungen, Entwurmung und alles, was ein Hund aus medizinischer Sicht benötigt, ist oft nicht gegeben. All das kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen für den Hund werden.

Es gibt inzwischen in einigen Großstädten mobile Tierärzte, die sich kostenfrei um die medizinische Versorgung der Vierbeiner kümmern. Oft sind diese zugleich Ansprechpartner für die Obdachlosen. Es wird nicht nur nach dem Hund geschaut, viele Tierärzte sind auch an dem Befinden des Halters interessiert. Das geht sogar so weit, dass gelegentlich ein echtes Vertrauensverhältnis entsteht. Diese mobilen Tierärzte sind ein echter Segen für die Hunde und es wäre schön wenn es mehr von ihnen gäbe.

Der Winter ist da

Das vermutlich größte Problem für die Obdachlosen, die einen oder gar mehrere Hunde haben. Manche Nächte sind im Winter einfach zu kalt, um sie auf der Straße zu verbringen. Doch es gibt kaum Einrichtungen, die Hunde erlauben. Das ist sehr schade. Übrigens – kürzlich las ich einen geteilten Post in einem sozialen Netzwerk, da bot eine Dame ihre beheizte gartenhütte für Obdachlose – ausdrücklich mit Hund – an. Auf diesem Weg der Unbekannten eine aus tiefstem Herzen kommende Respektbezeugung. Denn – wo soll der Hund hin, wenn Herrchen in einer Einrichtung schlafen sollte, um sein eigenes Leben nicht zu gefährden? Zudem wird sich ein Obdachloser kaum für eine warme Übernachtung von seinem geliebten Tier trennen.  Aus diesem Grund bleiben die Obdachlosen lieber auf der Straße, egal wie kalt es ist. Sie nehmen eher Erfrierungen in Kauf als ihren treuen Begleiter allein in der Kälte zu lassen. Nicht jeder Obdachlose hat es sich selber ausgesucht auf der Straße zu leben. Es kann jederzeit jeden von uns treffen. Ein paar Schicksalsschläge und schon ist es passiert. Wenn es Einrichtungen für Obdachlose gibt, dann doch bitte auch für deren Hunde. Jeder weiß wie sehr diese Menschen an ihren Hunden hängen. Lasst sie nicht allein!

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