Hundemantel? Ja – aber…

Amy ist ein außergewöhlich kluger Hund

Der Mensch neigt im Laufe seines Lebens dazu, seine Ansichten zu ändern – glücklicherweise. Ich konnte mich früher furchtbar über Leute aufregen, die ihren Hund in ein Mäntelchen stecken. Was soll das denn? Ein Hund ist ein robustes, fellbewachsenes Lebewesen und sollte nicht zu einem Deppen gemacht werden. So war das bei mir. Früher. Bis Amy in unser Leben trat. Es war September. Es war arschkalt. Es war am Zittern und Schnattern, das Hundemädchen.

Keine Unterwolle – kein Fell am Bauch

Amy ist ein sehr filigraner und zierlicher Hund. Ihre Beinchen erinnern an Streichhölzer und wenn man sie streichelte, fühlte es sich an, als ob man auf einer Säge mit abgerundeten Ecken hin- und herstrich. Sie ist ein unfassbar schlechter Fresser, was uns dazu veranlasste, ein Futter nach dem anderen auszuprobieren, samt menschlicher Babynahrung. Gaaanz langsam normalisierte sich ihr Gewicht. Doch die Zartheit blieb. Und auch am Bauch wuchs kein Fell. Dort ist sie nach wie vor nackig – was auch an ihrer Hausstaubmilbenallergie liegt, keine Frage. Von einem dichten Fell kann bei ihr jedenfalls keine Rede sein. Bei Temperaturen ab etwa 15 Grad schnattert sie vor sich hin. Bei Temperaturen unter 10 Grad zittert der Hund wie Espenlaub. Sie können sich vorstellen, was passiert, wenn das Thermometer noch weiter sinkt – so wie das hierzulande im Winter nun mal üblich ist. Ihre Mini-Pfoten nehmen am Ballen die Farbe einer reifen Tomate an, wenn sie auf gefrorenem Boden laufen muss. Sie sehen – es ist ein durch und durch verpimpelter Hund – und zwar von Natur aus.

Amys Bauch ist komplett kahl.
Amys Bauch ist komplett kahl.
Mit ihren Storchenbeinen kann sie unfassbar schnell sein.
Mit ihren Storchenbeinen kann sie unfassbar schnell sein.

Ein Hundemantel muss her

Wir gehören weder zu den Schönen und Reichen noch zu den ganz schön Reichen. Letztens sah ich einen Bericht über die Herrscher des roten Teppichs und konnte nur mit dem Kopf schütteln, was den armen Hunden alles angezogen wurde. Allerdings gilt es hier zu unterscheiden:

  • Hunde werden mit Kleidung versorgt, um zu zeigen, wie reich man ist. Da geht es nicht um den Hund, da geht es um die ekelhafte Darstellung der eigenen Person. Arm dran, wer so etwas nötig hat.
  • Hunde werden mit Kleidung versorgt – weil sie echt und tatsächlich frieren. Da geht es um den Hund, auch wenn es Herrchen oder Frauchen anfangs unsagbar peinlich war, mit einem Hund rauszugehen, der ein “Mäntelchen” trägt.

Fazit

Zukünftig schüttle ich nur noch dann den Kopf, wenn ein Hund eindeutig als Modepüppchen missbraucht wird. Ich werde keinesfalls mehr über die Leute ablästern, die ihrem Hund ein Mäntelchen verpassen, wenn das Wetter eklig ist. Denn ich weiß jetzt, dass es auch bei den Hunden einige Schnattereulen gibt. In diesem Sinne – hoffen wir auf einen schönen Winter.


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Martina Pfannschmidt
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Über Martina Pfannschmidt 177 Artikel
Martina gehört zur Spezies “wissenschaftsorientiert” und weiß einiges über die sogenannte “Phytotherapie”, also die Pflanzenheilkunde – die im Übrigen nix mit der Homöopathie zu tun hat. Die meisten Texte bezüglich Gesundheit, Krankheiten, Heilpflanzen und Naturstoffe stammen aus ihrer Feder. Alle Texte werden zudem regelmäßig durch eine Tierärztin geprüft.

3 Kommentare zu Hundemantel? Ja – aber…

  1. Unsere Flocke kam im Dezember 2018 im alter von fünf Monaten aus dem rumänischen Auslandstierschutz nach Deutschland, verbrachte zwei Wochen in einer Pflegestelle in NRW und kam dann zu uns an die Nordsee. Sie soll ein Goldenretriever-irgendwas-Mix sein, wobei vom Goldi – abgesehen von einer leichten beigefärbung in den Ohren und teilweise im Fell sonst nix zu finden ist, auch dass Fell selbst ist nicht so dick mit dichter Unterwolle wie beim Goldi. Bisher war ich auch immer ein eindeutiger Gegner von Hundemänteln… aber kaum war Flocke drei Tage bei uns im rauhen Klima der Nordseeküste, da hatte sie sich – mangels dichter Unterwolle – prompt eine Erkältung eingefangen. Und auch wenn es mir rein optisch “gegen den Strich” ging, wir haben dem zitternden Mädchen einen Mantel angezogen. Inzwischen ist Flocke ein Jahr alt, wirklich Unterwolle hat sie noch immer nicht, aber wenn der Winter kommt, wird sie definitiv wieder einen Mantel anbekommen – sie soll weder frieren, noch sich erkälten!

  2. Meine Lucy trägt ab dem Spätherbst Pullover und wenn es sehr kalt ist, darüber sogar noch einen Mantel. Wir haben mehrere davon. Lucy ist ein Zwergdackelmädchen und trotz langer Befederung, die wir sogar an manchen Stellen stutzen müssen, ist sie am Bauch nackt.

    Schöner Artikel – aber wo sind denn nun die Werbe-Links? Ich wollte mir die Mäntelchen von Amy anschauen! 😉

    • Hallo Claudia Dienstwerk,

      vielen Dank für Deinen Kommentar – ich vermute, Du hast einen Adblocker? Daran dachte ich natürlich nicht. Aber macht nichts, das werde ich elegant umschiffen, indem ich für die Leser, die einen Adblocker haben, einfach Textlinks erstelle. Warte, bin dabei…

      LG

      Martina

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