Alter Hund – was beachten?

Aus jedem Welpen wird (hoffentlich) ein alter Hund. Seniorhunde haben andere Bedürfnisse im Vergleich zu jüngeren Hunden. Hier unterscheiden sie sich nicht von uns Menschen. Auch bei uns zwickt es im Alter hier und klemmt dort. Bei unseren vierbeinigen Freunden ist das nicht anders. Doch was bedeutet das überhaupt: “Alter Hund”? Ab wann spricht man von einem Senior? Hängt das von der Agilität ab oder von den tatsächlichen Lebensjahren? In diesem Artikel geht es um alte Hunde. Wir schauen, welche fünf Erkrankungen am häufigsten bei alten Hunden auftreten und wie man sie vielleicht verhindern kann.

Wir selbst haben auch eine alte Hundedame, Nele ist mittlerweile fast 12 Jahre alt und beginnt sich zu verändern. In ihrem Wesen ist sie immer noch ein Herzenshund, der ausnahmslos alles und jeden liebt, doch sie scheint vergesslich zu werden. Sie hat eine beginnende Altersdemenz und ihre Knochen machen nicht mehr ganz so mit. Unsere Nele hat mich dazu gebracht, mich solide mit dem Thema “alter Hund” auseinanderzusetzen.

Was ist ein “alter Hund” per Definition?

Altern ist ein schleichender und vollkommen natürlicher Prozess. Wie schnell ein Hund altert, hängt von etlichen Faktoren ab. Im Allgemeinen schreitet bei großen Hunden der Alterungsprozess flotter voran. Als Beispiel mag die Deutsche Dogge dienen: Diese gilt siebenjährig schon eher als “alt”, während ein siebenjähriger Chihuahua als ein Hund mittleren Alters angesehen wird und erst so etwa ab elfjährig die Grenze zum “älter sein” überschreitet. Allerdings lässt es sich einfach nicht pauschalisieren. Ein Golden Retriever kann als Achtjähriger noch ein benehmen wie ein Welpe haben und ein gleichaltriger Dackel kann absolut schon Altersanzeichen aufweisen. Letztendlich spielen sowohl Genetik, Ernährung, Umwelt und Haltungsbedingungen eine große Rolle.

Wie alt ist ein Hund in Menschenjahren?

Früher hieß es mal, ein Hundejahr zählt sieben Menschenjahre, doch diese Theorie ist veraltet. Heute weiß man, dass es auf die Genetik und vor allem auf das Körpergewicht ankommt. Im Folgenden ein kleiner Rechner, den ich freundlicherweise nutzen darf, gib einfach das bis-zu Gewicht deines Hundes ein, seine echten Lebensjahre und klicke auf “Berechnen”. Natürlich ist diese Angabe nur ein Durchschnittswert und nicht in Stein gemeißelt.

Ein alter Hund und seine Krankheiten

Wie eingangs erwähnt, benötigen alte Hunde mehr Aufmerksamkeit als junge Hunde, zumindest im Sinne von dem Beobachten, mal öfter zum Tierarzt und vielleicht auch mal häufiger raus, weil die Blase etwas schwächer wird. Ein Senior kann vielleicht nicht mehr so schnell laufen, da ihn eine Arthrose plagt, er wird vergesslich oder er mag eigentlich gar nicht mehr spielen, obwohl er früher sein heißgeliebtes Spielzeug nicht aus den Augen gelassen hat.

Manche Senioren brauchen ewig, bis sie eine bequeme Schlafposition finden und wenn sie dann aufstehen möchten, dauert das ebenfalls seine Zeit. Treppen laufen kann zum Kraftakt werden und manche schaffen den Sprung ins Auto auch nicht mehr. Das alles sind Beschwerden, bei denen du deinem Hund helfen musst. Das mag bei einem 60 Kilo Hund nicht so ohne Weiteres machbar sein, doch letztendlich hat man sich den Hund einst ausgesucht und muss ihm jetzt auch beistehen.

Ein häufiges Problem bei alten Hunden sind die Zähne. Zahnerkrankungen sind sehr schmerzhaft und können den Hund dazu verleiten, sein Futter nicht mehr anzurühren. Das wiederum könnte zur Gewichtsabnahme führen, zumal dann natürlich auch die Nährstoffversorgung gefährdet ist.

Zu einer Gewichtsabnahme führen auch manche Nierenerkrankungen, Leberbeschwerden oder Herzerkrankungen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ein Hund, der schnell oder ohne erkennbaren Grund Gewicht verliert, muss schnellstens dem Tierarzt vorgestellt werden.  

Natürlich geht das mit dem Gewicht auch andersherum: Manche Hunde verlieren mit zunehmendem Alter ihre Aktivität, sie werden zu regelrechten Couchpotatoes und nehmen dadurch an Gewicht zu. Adipositas ist ein wichtiges Gesundheitsproblem bei Hunden jeden Alters und bei älteren Hunden ist es nicht anders.

Wenn Nele auf langen Spaziergängen müde wird, setzen sie wir sie in den eigens angeschafften Hundebuggy. Dazu weiter unten meine Empfehlung.

Wie kannst du deinem alten Hund helfen?

Plane regelmäßige Besuche beim Tierarzt. Dein Hund muss mindestens einmal jährlich untersucht werden, auch wenn er gesund erscheint. Viele Krankheiten liegen im Verborgenen und sind nicht direkt sichtbar. Denke daran, dass es meist deutlich günstiger ist, eine Krankheit zu verhindern als eine zu behandeln.

Höre auf deinen Tierarzt, wenn er zu einer Gewichtsreduktion oder einer Zunahme von Gewicht rät. Die körperliche Verfassung ist ein entscheidendes Indiz für den Allgemeinzustand des Hundes.

Hochwertige Nahrung ist unbedingt erforderlich. Muss dein Hund eine Diät halten, dann sorge dafür, dass er diese einhält. Soll er Nierendiätfutter bekommen, dann ist es wichtig, dass er es auch tatsächlich bekommt – auch wenn es nicht gerade günstig ist. Übergewicht kann in der Folge eine Reihe böser Erkrankungen begünstigen, etwa Diabetes, Herzerkrankungen, Hautkrankheiten oder sogar Krebs.

“Wer rastet, der rostet” – dieses alte Zitat trifft natürlich auf auf unsere vierbeinigen Freunde zu. Ein gezieltes Bewegungsprogramm kann helfen, einen älteren Hund schlank zu halten. Zudem trainiert es Gelenke und Muskeln. Passe die Bewegung des Hundes an seine individuellen Bedürfnisse an. Für einen großen Rassehund ist das Laufen um den Block vermutlich ein Witz, aber für einen kleinen Chihuahua kann ein zügiger Spaziergang um die Häuser eine lange Wanderung sein. Beginne  langsam mit dem gezielten, moderaten Training und steigere die Intensität allmählich – und das nur nach Rücksprache mit einem Tierarzt. Sei vor allem auch vorsichtig mit kurznasigen (brachycephalischen) Hunden an heißen Tagen. Stelle viel Spielzeug zur Verfügung, um einen älteren Hund zu beschäftigen. So gibt es beispielsweise spezielle Futterbälle, bei denen sich Hunde real anstrengen müssen, um an die Leckerli zu kommen.

Versorge deinen Seniorhund mit speziellen Unterlagen zum Schlafen. Zum Beispiel profitieren Hunde mit Arthritis von einem weichen Bettzeug. Rampen können verwendet werden, um das Befahren von Treppen zu erleichtern, wenn sie sich nicht vermeiden lassen. Auch das Auslegen von Teppichen über hartem Bodenbelag kann einem arthritischen Hund helfen, eher Halt zu finden, als auf dem glatten Linoleum.

Nele ist ein alter Hund - mit immer noch viel Spaß
Nele ist ein alter Hund – mit immer noch viel Spaß

Die 5 häufigsten Hundekrankheiten alter Hunde

Das Leben vergeht schnell, besonders wenn man ein Hund ist. Der herumtollende Welpe, der erst vor wenigen Jahren voller Glück nach Hause gebracht wurde, reift im Handumdrehen zu einem Senior heran. Glücklicherweise hat sich mit der Veterinärmedizin auch die Fähigkeit verbessert, einige der häufigsten Gesundheitszustände im Zusammenhang mit dem Altern von Hunden zu erkennen und zu behandeln.

Gelenkerkrankungen gehen Hand in Hand mit dem Altern, da sich der Knorpel, der die Gelenkflächen schützt, mit der Zeit abnutzt. Obwohl dieser Prozess nicht rückgängig gemacht werden kann, stehen den Besitzern zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, um die Auswirkungen des Alterns auf die Gelenke und die Arthritis bei Hunden zu reduzieren.

Stelle jedoch zuerst sicher, dass der Hund ein gesundes Gewicht hat. Übergewichtige Hunde tragen deutlich höhere Belastungen an ihren Gelenken. Dies wirkt sich auf Hunde aller Rassen aus, ist aber am stärksten bei Hunden großer Rassen ausgeprägt, die bereits eine genetische Veranlagung zu Erkrankungen wie Hüftdysplasie haben können. Der Hund sollte zudem regelmäßig untersucht werden, um die ersten Anzeichen einer Gelenkerkrankung zu erkennen. Mache dich auch mit den Anzeichen einer Gelenkerkrankung vertraut. So versuchen Hunde mit einer Gelenkerkrankung das Treppensteigen zu vermeiden oder sie springen nicht mehr aufs Sofa, sondern legen sich davor hin. Steifheit vor allem am Morgen und Lahmheit sind weitere Anzeichen.

  • Zahnerkrankungen

Eine der am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen bei Hunden ist die Zahnerkrankung bei allen Hunderassen und -größen. Unbehandelt können Parodontalerkrankungen zu Schmerzen, Zahnverlust und Bakterien im Blutkreislauf führen, die in der Folge innere Organe schädigen können.

Die häusliche Pflege mit Zahnbürste hilft definitiv dabei, Zahnstein auf den Zähnen zu reduzieren, ebenso wie spezielle Lebensmittel, die die Zahngesundheit fördern sollen. Hat sich jedoch eine Zahnerkrankung entwickelt, ist eine vollnarkotisierte Zahnreinigung beim Tierarzt erforderlich. Beginne früh mit der Zahnpflege , bevor sich eine schwere Parodontose entwickelt.

  • Adipositas

Mehr als die Hälfte der Hunde werden als übergewichtig oder fettleibig eingestuft, so zumindest die Meinung vieler Experten. Was schlimmer ist: viele Besitzer wissen es nicht einmal. Übergewichtige Hunde sind anfällig für eine Litanei von sekundären Problemen wie Gelenkerkrankungen, Diabetes und Atemwegserkrankungen.

Bewegung und Kalorienkontrolle sind die Schlüssel zur Gewichtskontrolle eines Hundes. Ältere Hunde sind oft weniger aktiv als ihre jüngeren Artgenossen und haben andere Nahrungsbedürfnisse. Diäten für Senioren können die Balance zwischen Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten herstellen. Regelmäßige sanfte Bewegung ist auch für Hunde mit gesundheitlichen Problemen von Vorteil. Wende dich an deinen Tierarzt, um einen Ernährungs- und Bewegungsplan zu erstellen, der auf deinen Hund zugeschnitten ist.

  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

Zeigt eine Diät und moderate Bewegung überhaupt keinen Erfolg – nimmt der Hund also einfach nicht ab, dann könnte er an Hypothyreose leiden, einer häufigen Schilddrüsen-Erkrankung bei Hunden. Die Schilddrüsenunterfunktion verlangsamt den Stoffwechsel und macht einen aktiven Hund dauermüde.  Glücklicherweise kann Hypothyreose mit einem einfachen Bluttest diagnostiziert werden und kann gut mit Medikamenten behandelt werden.

  • Tumore

Leider sind Hunde anfällig für viele der gleichen Krebsarten, die auch beim Menschen vorkommen. Knochenkrebs, Lymphom und Melanom sind nur einige der häufigsten bei Hunden diagnostizierten Neoplasmen. Obwohl es eine starke genetische Komponente in einigen Hunderassen wie Golden Retriever und Boxer gibt, kann sich Krebs bei jeder Rasse spontan entwickeln. Früherkennung und Diagnose ist der Schlüssel zum Überleben von Hundekrebs, also lasse diese jährlichen tierärztlichen Untersuchungen nicht aus.

Alter, erfahrener, weiser Hund mit viel Würde.
Alter, erfahrener, weiser Hund mit viel Würde.

Alter Hund – Fazit

Sei immer geduldig mit deinem Senior. Auch wenn er öfters raus muss oder wenn sich eine Pfütze auf dem Wohnzimmerteppich bildet. Alte Hunde können es durchaus “vergessen” haben, sich zu melden, wenn sie mal müssen. Da bleibt dir nur selbst der Blick auf die Uhr, wann es wieder Zeit ist, rauszugehen.

Wir selbst handhaben es immer so, dass wir stest zu den gleichen Uhrzeiten mit unseren Hunden rausgehen. Mittlerweile ist es sogar so, dass bei einer Überschreitung der Uhrzeit zur Tür gerannt wird. Sie kennen es nicht anders, als früh am Morgen um sechs Uhr, dann um 10 Uhr, 14 Uhr, 18 Uhr und 22 Uhr rauszukommen, um ihre Geschäfte zu erledigen. Dabei geht es uns auch tatsächlich nur ums kleine oder große Geschäft. Spaziergänge sind ein zusätzlicher Gang, der natürlich häufig in eines der Zeitfenster fällt. Doch mit drei Hunden wäre es nicht anders machbar – würden wir nur gehen, wenn eine mal muss, würden wir dauernd rennen.

Lasse dem alten Hund seine Ruhe, wenn er sie benötigt. Achte jedoch auf sein Gewicht, wenn er nicht mehr so aktiv ist. Manche Senioren hören, sehen oder riechen nicht mehr so gut. Lasse ihm auch hier seine Zeit. Als letzten Tipp möchte ich noch Folgendes loswerden: Genieße jeden Moment mit deinem alten Hund, auch wenn er ewig für alles braucht oder viel schläft. Das alles sind Anzeichen des endgültigen Abschieds. So lange ihr noch beieinander seid, ist doch alles gut.

Wichtig!
Alle bereitgestellten Informationen auf tierisch-gesundes.de sind ausschließlich informeller Natur. Sie ersetzen keineswegs den Tierarzt!

Martina Pfannschmidt
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2 Gedanken zu „Alter Hund – was beachten?“

  1. Hallo,
    leider 😉 ist dieser Artikel für uns interessant, da unsere Hundedame mittlerweile fast 11 Jahre alt ist. Glücklicherweise entdecken wir bei ihr (bis auf eine paar graue Haare) noch keinerlei Anzeichen für ihr Alter. Als leicht überdrehte Labidame hat sie ihren Spieltrieb glücklicherweise bislang noch behalten.

    Liebe Grüße!
    Lisa

    Antworten
    • Hallo Lisa,

      stimmt – doch solange sie noch spielen und “Quatsch” im Kopf haben, passt ja noch alles. Nele bekommt auch noch ab und an ihre fünfsekündigen “Temperamentsausbrüche”…

      LG

      Martina

      Antworten

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