Vitamin B1 (Thiamin) für Hunde – Wirkung

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Das Wissen um Vitamin B1 für Hunde basiert im Grunde auf einer Entdeckung, die erst im Jahre 1897 gemacht wurde. Da nämlich fand der niederländische Arzt Christiaan Eijkman heraus, dass die Krankheit “Beriberi” beim Menschen nichts anderes als eine Mangelerscheinung ist, verursacht durch das Fehlen von Thiamin (Vitamin B1). In diesem Artikel geht es um die Bedeutung und Wirkung von Vitamin B1, dem wasserlöslichen Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Warum braucht der Hund Vitamin B1? Was bewirkt es? Wie zeigen sich Mangelerscheinungen? Wie kannst du hochwertige B-Vitamine erkennen? Welche Hunde sollten Vitamine als Nahrungsergänzung zugefüttert bekommen? Sei gespannt, denn Thiamin ist eine äußerst interessante Substanz, die etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Vitamin B1 – die ganze Geschichte

Der Entdecker von Thiamin wurde einst im Jahre 1886 samt seinem Team nach Indonesien (damalige holländische Kolonie) entsandt, um der Ursache der Erkrankung Beriberi auf die Spur zu kommen. Christiaan Eijkmann beobachtete, dass die Erkrankung nicht nur Menschen und Nutztiere wie Schafe befiel, sondern dass auch Hühner umhertorkelten und offensichtlich an der mysteriösen Erkrankung litten. Da er davon überzeugt war, dass Bakterien die Ursache vieler Beschwerden waren, vermutete er auch hier einen Zusammenhang, was sich alsbald als falsch herausstellte.

Ein Mitglied seiner Expertengruppe konnte beobachten, dass die Fütterung der Hühner mit ungeschältem Reis oder Erbsen dazu führte, dass die Beschwerdebilder verschwanden. Nach einigen Wirrungen und Irrungen leitete die wissenschaftliche Kommission die These ein, dass sich das Geheimnis um Erkrankung oder Nicht-Erkrankung in der Schale von Reis oder Erbsen abspielen musste. Somit versorgte er seine menschlichen Patienten mit ungeschältem, braunen Reis – und die Symptome der Krankheit verschwanden. Das Geheimnis musste also in der Schale von Vollkorn- oder Hülsenfrüchten liegen. Die Entdeckung von Vitamin B1 oder Thiamin war damit zwar noch nicht abgeschlossen, geht aber aufgrund dieser Erkenntnisse dennoch auf das Jahr 1897 zurück.

Es dauerte noch mal einige Jahre, bis dieser Stoff aus dem Reiskorn isoliert werden konnte. Einer Quelle zufolge gelang die Isolierung erst im Jahre 1926 durch die niederländischen Wissenschaftler Barend Coenraad Petrus Jansen und Willem Frederik Donath. Einer anderen Quelle nach war es Suzuki Umatero, der es bereits im Jahre 1910 isolieren konnte.

Im Jahre 1929 jedenfalls war es der einstige EntdeckerChristiaan Eijkman, der für diese bahnbrechenden Erkenntnisse gemeinsam mit dem Vitaminforscher Frederick G. Hopkins den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Um die Vollständigkeit der Geschichte abzurunden: Robert R. Williams gelang es erstmals im Jahre 1936, Vitamin B1 zu synthetisieren. Der Durchbruch war geschafft.

Die Eigenschaften von Vitamin B1

Vitamin B1 ist hitzeempfindlich und verträgt weder Licht noch Luft. Besonders für Barfer dürfte interessant sein, dass das Erhitzen der Nahrung knapp die Hälfte des Vitamins zerstört. Als Coenzym ist es ein unerlässlicher Stoff für das Nervensystem sowie für den Kohlenhydrat- und somit für den Energiestoffwechsel.

Sowohl Pferde als auch Hunde können mittels Bakterien Thiamin im Darm selber herstellen. Allerdings speichert der Körper aufgrund der Wasserlöslichkeit nur geringe Mengen in Leber, Niere und Herz.

Zusammengefasst wird Vitamin B1 für folgende Prozesse als Coenzym benötigt:

  • es wandelt Kohlenhydrate in Energie um.
  • es ist für den Eiweißstoffwechsel von Bedeutung, besonders im Zusammenhang mit einigen Aminosäuren wie Leucin, Valin oder Isoleucin.
  • das zentrale Nervensystem benötigt Thiamin, um Nervenfasern zu schützen.
  • die Leitfähigkeit der Nerven wird durch Vitamin B1 reguliert.

Die Eigensynthese bei Hunden

Wie schon angesprochen, können Hunde Vitamin B1 selbst im Darm herstellen. Allerdings hängt dieser Faktor ganz entscheidend von dem Zustand der Darmflora und der Schleimhaut ab, zumal der Bedarf durch die Eigensynthese nicht ausreichend gedeckt wird. Vor allem trächtige oder alternde Hunde haben einen erhöhten Bedarf an Vitamin B1, der eher nicht durch eine Eigenproduktiona abdeckbar ist. Auch Hunde, die sich einer Antibiotikagabe unterziehen mussten, benötigen die Zufuhr von Thiamin. Denn so wertvoll antibiotische Medikamente auch sein mögen, sie zerstören sämtliche Bakterien, somit auch die “guten”, die für eine funktionierende Darmflora unerlässlich sind.

Einen ebenfalls erhöhten Bedarf haben immunschwache Hunde, etwa, weil sie durch eine überstandene Krankheit keinen ausreichenden Abwehrschutz haben oder weil sie vielleicht sehr sensibel auf Witterungseinflüsse reagieren, etwa mit Husten.

Natürliche Vitamin B1-Quellen

Thiamin kommt beispielsweise in Bierhefe, Getreidekörnern, Fenchel und Löwenzahn vor. Tierische Lieferanten sind zum Beispiel Schweinefleisch, Rind, Geflügel und Innereien.

Die Verwertung von Vitamin B1 bei Hunden

Der vordere Dünndarm ist zuständig für die Aufnahme von Thiamin. Bei einem bestehenden Folsäuremangel vermindert sich die Aufnahmefähigkeit genauso wie bei einem Magnesiummangel. Ist der Vitaminhaushalt ausgeglichen, gelangt das Thiamin recht schnell in das körpereigene Gewebe, in die Leber, Nieren, Gehirn und vor allem in den Herzmuskel. Ein Überschuss wird bei Hunden, die ganz normale Mengen Vitamin B1 bekommen, über den Urin ausgeschieden. bei Hunden, die zu therapeutischen Zwecken mit Thiamin versorgt werden, erfolgt die Ausscheidung nicht über den Harn, sondern über den Kot.

Ganz spannend: Enthält das Futter Zucker, benötigt der Stoffwechsel deutlich mehr Thiamin, da es für die Umwandlung und den Abbau benötigt wird. Auch für die Verstoffwechslung von rohem Fisch gibt es einiges zu beachten: Beispielsweise ist in Hering, Zander, Sardelle, Karpfen oder Butterfisch das Enzym Thiaminase enthalten. Dieses Enzym zerstört Vitamin B1. Nicht enthalten ist es in Lachs, Heilbutt, Makrele oder Scholle.

Mangelerscheinungen von Vitamin B1 bei Hunden

Die Mangelerscheinungen sind zuerst recht unspezifisch, können sich aber bei ausweiten, wenn der Mangel nicht reguliert wird: Kotfressen (Koprophagie), Leistungsabfall, Nervosität, Futterverweigerung bis hin zu Krämpfen, Lähmungserscheinungen, Herzfunktionsstörungen, dick angeschwollene Beine (Ödeme) und Muskelschwäche. Weitere Mangelerscheinungen sind Erbrechen, Fellverlust, ein “kauernder Gang” oder das Hervortreten der Augen (Exophthalmus).

Wer es gerne wissenschaftlich mag, findet unter folgendem Link eine fundierte Quelle des Artikels.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5753639/

Martina Pfannschmidt
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