Was hat die Fellfarbe mit dem Verhalten zu tun?

Was hat die Fellfarbe mit dem Verhalten zu tun? Ich muss zugeben, der Zahn der Zeit hat mich einige Erfahrungen bezüglich meiner bunten Tierschar machen lassen. Ich hatte dreifarbige Katzen – die hatten alle einen an der Waffel. Ich hatte einen dreifarbigen Hund – vollkommen durchgeknallt.

Amy ist zweifarbig und ist ein kapriziöses Hundemädchen. Nele ist einfarbig beige und ein Musterhund. Sashi-Spatz ist rötlich mit weißen Pfoten und einer Blesse – inklusive Sonnenschein aus dem Hinterteil. Nun möchte ich es genau wissen: Hat die Fellfarbe mit dem Charakter eines Hundes zu tun? Die Antwort verblüfft und ist sogar wissenschaftlich belegt: Ja.

Nele mit schwarzer “Schminke”. Gefällt ihr die Fellfarbe nicht??

Fellfarbe = Fehlfarbe = Tod = Pervers

Kürzlich las ich einen Bericht über Rassehunde, in dem vermerkt war, dass früher Welpen mit “falscher” Farbe sofort nach der Geburt getötet wurden. Erst das Tierschutzgesetz untersagte die Praktik – von der ich mal kühn behaupte, sie läuft auch heute noch bei einigen Züchtern so im stillen Kämmerlein ab. Das ist pervers.

Ein Beispiel: Kam ein Boxerwelpe mit weißer Fellfarbe zur Welt, wurde er getötet. Heute setzen einige Züchter bewusst darauf, den weißen Boxer wieder in die Zuchtwelt zu integrieren. Ganz ehrlich: Ich finde das so schlimm, was im Namen der Zucht so alles abläuft – leider lassen sich unseriöse Züchter auf den ersten Blick nicht von seriösen unterscheiden. Sorry, das musste einfach kurz raus, bevor ich auf den eigentlichen Grund dieses Artikels zu sprechen komme: Die Fellfarbe und der Charakter des Hundes.

Dreifarbig – Spinner?

Was hat die Fellfarbe mit dem Verhalten zu tun?

Die Fellfarbe wird durch die Farbgene beeinflusst, Stichwort “Pigmentierung”. Doch nicht nur die Pigmentierung hängt von den Farbgenen ab, auch andere Stoffwechselbereiche hängen da mit drin. Kontrolliert ein einziges Gen (in diesem Fall das Farbgen) mehrere Bereiche, wird das als “Pleiotropie” bezeichnet. Die Farbgene sind also eng mit anderen Genen verbunden, die überhaupt nichts mit der Fellfarbe zu tun haben.

Vererbt sich die Fellfarbe, vererben sich zugleich auch die anderen Bereiche, die an dieses Farbgen gekoppelt sind. Das erklärt zumindest laienhaft, wie es dazu kommen kann, dass man von der Fellfarbe auf den Charakter schließen kann. Denn wenn sich beispielsweise das schwarze Fell vererbt – vererben sich automatisch bestimmte andere Sachen mit, so etwa bestimmte Charaktereigenschaften oder auch Anfälligkeiten für Krankheiten.

Ob die Genetik immer richtig liegt?

Zwei Pigmente sorgen für die Fellfarbe

Ohne allzu tief in die chemischen Tiefen der Farbgebeung eindringen zu wollen (und vor allem zu können), ein kurzes Wort dazu muss schon sein: Die beiden Farbpigmente Eumelanin und Phäomelanin sind für die Fellfarbe verantwortlich.

  • Eumelanin = schwarzes Pigment
  • Phäomelanin = rotes bis gelbes Pigment

Gene steuern dabei, welches Pigment dominiert. So gibt es etwa das soegannte “Braun-Gen” (TYRP1 Gen oder B-Locus genannt), welches das schwarze Pigment quasi verdünnt, dabei aber keine Wirkung auf das rot-gelbe Pigment hat.

Amy – herrlich kompliziert…

 

Die verschiedenen Fellfarben

  • Schwarze Hunde

Ganz klar – schwarze Hunde werden von dem Pigment Eumelanin dominiert. Zudem bekommen sie – wie schon angesprochen – weitere Gene und Hormone “mitgeliefert”. Als Bindeglied sorgt ein Melanocortinrezeptor für die Charaktereigenschaften. Schwarze Hunde bekommen eine ordentliche Portion Noradrenalin mit. Dieser Neurotransmitter entsteht mithilfe eines Enzyms aus Dopamin und sorgt für die Aufmerksamkeit und geistige “Wachheit” des Tieres. Schwarze Hunde sind selbstbewusst und treffen in Gefahrensituationen ihre eigenen Entscheidungen. Dennoch gelten schwarze Hunde als äußerst anhänglich, familienfreundlich und scheuen sich nicht, ihre Menschen zu verteidigen. Schwarze Hunde haben zudem meist einen deutlich ausgeprägten Sexualtrieb.

  • Beige Hunde

Phäomelanin ist hier als Farbgeber verantwortlich. Meist haben gelbe bis rötliche Hunde eine ordentliche Ladung des Stresshormons Cortisolim Gepäck. Deshalb sind beige Hunde stressanfälliger als ihre schwarzen Kumpels und sie gelten als nervös. Echt jetzt? Nele und nervös? Never. Zu viel Stress. Obwohl – so herum betrachtet, kann es wiederum stimmen, Nele vermeidet Stress, wo es geht. zudem sollen beige/rötliche Hunde zur Angstaggressionen neigen. Hmm, auch da kann ich weder bei Sasha noch bei Nele zustimmen.

  • Bunte Hunde

Mehrfarbige Hunde werden mit dem sogenannten “Merle-Gen” bedacht. Auch diese Hunde sollen stressanfällig, nervös und sogar panikartig sein. Mein kleiner Jack Russell Tyson war tatsächlich sehr nervös und stand irgendwie ständig unter Strom – könnte also hinhauen.

Fellfarbe? Sashi-Spatz egal.

Hunde sind Individuen

Letztendlich gibt es – meiner Meinung nach – schwarze, ängstliche Hunde, mehrfarbige ruhige Hunde und Hunde mit beigem Fell, die mutig sind. Es steht ja aber auch nirgends in Stein gemeißelt, dass es immer zutrifft, was die Genetik voraussagt.

Meine eigenen Erfahrungen zeigt mir, dass beige oder rötliche Hunde absolute Traumhunde sind. Auch die mehrfarbigen Hunde, die ich schon hatte, waren einfach nur wunderbar. Den einzig schwarzen Hund, den  ich mein eigen nennen durfte, war ein Hosenscheißer – nix war da von Mut und Selbstsicherheit, es war ein nervöses Hundemädchen. Von daher – die Farbe mag ein Aspekt sein – aber danach gehen, wie sich ein Hund zu entwickeln vermag – das sollte man vielleicht nicht unbedingt.

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2 Kommentare zu Was hat die Fellfarbe mit dem Verhalten zu tun?

  1. Unsere Maira ist auch ein dreifarbiges Mädel und von Aggression kann da keine Rede sein! Klar passt sie auf unser Bude auf, und brummelt da mal was in ihre Lefzen, aber ansonsten ist sie ein kuscheliger Traumhund, der mit allen Hunden und auch Katzen klar kommt.
    Also wie geschrieben: einfach auch ein Traumhund

    • Guten Morgen Jutta,

      stimmt Maira ist ja auch dreifarbig, da haben wir gar nicht dran gedacht, weil ja Sasha nur zweifarbig ist. Auch Xenia ist dreifarbig. Wenn man in Mairas Gesicht schaut, springt einen ihre Sanftmut geradezu an, während Sasha immer den Schalk im Nacken und den Blitz im Gesicht sitzen hat. Wir kennen Xenia ja nun leider gar nicht, aber vom Gesicht her würde ich sagen, sie ist ein ernster Hund und erhaben über jede Fehl. Natürlich kann das täuschen. Dennoch somit ist die ganze Theorie über die Fellfarbe eines Hundes auf seinen Charakter zu schließen, einmal mehr über den Haufen geworfen. Aber einerlei wie das nun wirklich ist, die drei Mädels haben sich in unsere Herzen gepflanzt und sind da nicht mehr heraus zu denken.

      LG Carola

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