Mein Hund schleckt mich ab – darf er das?

Mein Hund schleckt mich ab – warum tut er das? Soll ich ihm das erlauben oder nicht? Jeder Hundebesitzer kennt das, du kommst nach Hause, dein Hund ist vor Freude total aus dem Häuschen und er möchte dich in seiner Begeisterung abschlecken. Nicht jeder findet das prickelnd und viele lehnen das Geschlabber total ab. Aber schauen wir doch mal genauer hin. 

Hund schleckt
Jetzt bitte nicht mich abschlecken! Zunge wieder rein!

Hund schleckt mich ab – das kann doch nicht gesund sein?

Es ist ein Ausdruck der Liebe, wenn unsere Hunde uns abschlecken. Und doch mögen diese Art der Liebe nicht alle von uns. Der Mensch hat viele Möglichkeiten, seinem Vierbeiner Liebe zu schenken. Das fängt beim Füttern an, drückt sich über die Gabe von Leckereien aus, und endet mit ausgiebigen Streicheleinheiten. Wie viele Möglichkeiten haben unsere Fellnasen diese Liebe zu erwidern? Genau: sie wedeln mit dem Schwanz, schenken uns treue Blicke und…. schlecken uns ab!

Die Liebe zu unseren Hunden hört oftmals genau da auf, nämlich wenn er dich abschlecken will. Es heißt, dies sei ungesund, da Hunde in der Natur an Vielerlei “Zeug” herumschnüffeln und dadurch mit ungesunden Mikrobiomen rund um und in ihre/r Schnute beschmutzt sind.  Der eine oder andere versucht sogar seinem Hund dieses Geschlabber, aus genau diesem Grund, abzugewöhnen. Es ist einfach eklig!!!

Ich wage es, dem zu widersprechen. Denn das Immunsystem des Hundes unterscheidet sich gänzlich von unserem. Die Zusammensetzung der Mikroorganismen von Hund und Mensch sind könnte unterschiedlicher kaum sein. Der Mensch kann sogar durchaus von der Zusammensetzung der Mikroorganismen des Hundes profitieren. Der Kontakt dieser zwei unterschiedlichen Mikrobiome kann bei euch beiden zur Stärkung des eigenen Immunsystems beitragen.

Der Nachwuchs darf nicht abgeschlabbert werden?

Besonders passen viele junge Eltern beim Nachwuchs auf. Der Hund sollte nicht zu dicht an das Baby kommen, es könnte krank werden. Aber warum?
Es ist erwiesen, dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, ein stärkeres Immunsystem entwickeln und so deutlich seltener mit Tierhaarallergien konfrontiert werden.

Meine Tochter ist mit Hunden und Katzen groß geworden, und ja sie war den Tieren immer sehr nah und die Tiere ihr. Sie ist ein normaler kerngesunder Erwachsener geworden und lässt mein Enkel auf die gleiche Weise groß werden. Mal von der Liebe dieser Geschöpfe zu unserem Nachwuchs abgesehen, hat es noch keinem Kind geschadet einem Tier nahe zu sein. Im Gegenteil!

Die Wechselbeziehung der Mikrobiomen zweier Arten (Mensch, Hund) ist daher eher als positiv zu bewerten.

Sozialverhalten eines Hundes
Sozialverhalten eines Hundes

Geschleckte Rituale

Natürlich möchte ich auch nicht unentwegt von meinen drei Grazien abgeschleckt werden, aber es gibt Momente in unserem Leben, an denen ich das gerne zulasse.
Am Morgen, wenn meine Mädels spüren, dass ich langsam wach werde, möchten sie mir als erstes “guten Morgen” sagen und das geschieht übers kurze Abschlabbern.
Ich empfinde dieses Ritual als eine sehr vertraute Geste und lasse diese auch zu.  Zudem renne ich dann ohnehin gleich ins Bad und dusche mich ausgiebig.

Zu keinem anderen Zeitpunkt des Tages kommt eine von ihnen auf die Idee, mein Gesicht abschlecken zu wollen. Wenn ich ohne sie unterwegs war, dann möchten sie an mir schnuppern, auch in meinem Gesicht, jedoch geht es hierbei nur um das Verständnis wo ich mit wem war und was ich eventuell zu mir genommen habe.

Das gute Gefühl

Mit meinen Hunden zu schmusen und das Abschlecken zuzulassen, gibt dir einfach ein gutes Gefühl, so auch unseren Mäusen. Das Gehirn schüttet Serotonin aus und alle verspüren Glück und Zufriedenheit.
Und noch ein Stoff wird in und freigesetzt wenn wir ausgiebig mit unseren Tieren kuscheln. Das Hormon Oxitocin. Dieses Hormon wird immer dann freigesetzt, wenn wir eine emotionale Nähe zu einem anderen Lebewesen – egal ob Mensch oder Tier – aufgebaut haben. Natürlich geschieht das in erster Linie mit unserem Partner, aber auch die enge Beziehung zu unseren Hunden lässt dieses Hormon in uns tanzen. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Ein schleckender Hund bringt seine Emotionen zum Ausdruck
Ein schleckender Hund bringt seine Emotionen zum Ausdruck

Wer ist der Chef?

Auch hinsichtlich der Hierarchie ist das Schlecken unserer Hunde nicht ohne Bedeutung . Über das Schlecken werden im Tierreich die Verhältnisse der Wölfe oder Kojoten sichtbar.  Der, der vom Rudel am meisten “geküsst” wird ist der klare “Rudelführer”, sie zollen ihm auf diese Weise ihren Tribut und huldigen ihn auf diese Weise.  In ihrer ursprünglichen Art, als Nachfahre des Wolfes, haben sich Hunde dieses Verhalten ihrem Chef gegenüber bis heute bewahrt. Es ist ein Zeichen der Hörigkeit und der Anerkennung unserer Person als ihren “Alpha”.

Sozialverhalten

Das Schlecken unseres Hundes hat auch einen sozialen Aspekt. So werden die Welpen von ihren Müttern, aber auch von Tanten und Onkels rege abgeschleckt. Das ist ein fürsorgliches Verhalten und dient dem Ausdruck: ich liebe dich und möchte dass es dir gut geht. Auch untereinander schlecken sich Hunde gleichsam wie ihre Vorfahren die Wölfe.

Unsere Sasha zum Beispiel inspiziert bei Amy und Nele immer nach dem “Gassi-Gang” die Popo’s hinsichtlich der Sauberkeit. Auch die Augen und Ohren werden von ihr bei den beiden anderen öfter mal geputzt. Amy und Nele nehmen das huldvoll entgegen. Auch hier zeigt uns das die Hierarchie der Drei untereinander.

NEIN, bitte nicht, ich will jetzt nicht schmusen
NEIN, bitte nicht, ich will jetzt nicht schmusen

Sind sie ein Gegner von Küsschen und Geschlabber?

Wie gesagt, immer möchte ich auch nicht abgeschlabbert werden, vor allem von unserer süßen Nele. Nele ist zehn und leider fehlen ihr schon ein paar Beisserchen. Das hat zur Folge, dass sie ihren Speichelfluss nicht mehr so ganz unter Kontrolle hat. Ihre Küsschen sind entsprechend “etwas” nass. Aber ihre Liebe zu uns ist durch das Fehlen der Zähne ja nicht geschmälert und so möchte sie uns das eben auch zeigen. Und da wir auch Nele lieben, müssen wir das auch immer wieder mal zulassen. Es muss ja nicht immer das Gesicht sein….

Stress

Hunde, die ihre geliebten Menschen nie abschlecken dürfen, sind einem recht hohen Stress ausgesetzt. Sie verstehen diese Ablehnung nicht, liegt es doch in der ihrer Natur, sich so zu verhalten. Die Ablehnung ihrer Liebe (so empfinden sie das) kann sogar zu schweren Verhaltensauffälligkeiten führen. Die Psyche des Hundes kann tatsächlich großen Schaden nehmen.
Das Dumme ist, dass in einem solchen Fall, gar keiner auf die Idee kommt, dass der Hund sich negativ verändert weil er seine Zuneigung zu seinem Menschen nicht zum Ausdruck bringen durfte.

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