Angsthunde trainieren

(enthält Werbung)

Angsthunde trainieren – was bedeutet das? Zeigt Angst immer die gleichen Muster oder gibt es Unterschiede? Mit Masha und Dino haben wir zwei „richtige“ Angsthunde aufgenommen. Wie sieht der Alltag mit einem Angsthund aus und wie bekommt man es hin, ohne ein Vermögen in die Suche nach einem guten Trainer zu investieren? In diesem Artikel schauen wir uns an, wie viele Gesichter „Angst“ haben kann und du findest wertvolle Tipps, falls dein Partner Hund zur Kategorie „Angsthund“ gehört.

Definiere „Angsthund“

Bevor du deinem Hund helfen kannst, steht zuerst die Analyse an. Ist es ein Angsthund? Welche Verhaltensmuster zeigt er? Angsthunde zeigen nicht immer ihre Angst nach Schema F. Deswegen ist eine genaue Beobachtung unerlässlich, denn ansonsten kann es ganz schnell passieren, dass etwas als „Unart“ abgetan wird und womöglich mit erzieherischen Maßnahmen verschlimmert wird.

Angsthunde zeigen typische Symptome, jedoch nicht alle auf einmal und mehr oder weniger stark ausgeprägt:

  • Fluchtverhalten
  • Meideverhalten
  • extreme Aktivitäten / Bewegungsdrang
  • Stress-Hecheln
  • häufiges Gähnen
  • Aggression
  • Deppression
  • Bellen in hohen Tonlagen

Dies sind nur einige Beispiele, an denen du bereits erkennst, dass es nicht einfach ist, einen Angsthund als solchen zu klassifizieren. Eine weitere Schwierigkeit folgt auf dem Fuße: Häufig wird ein Verhalten als „Stur“ oder „bockig“ eingeordnet und wird mit Härte und Strenge geahndet. Fatal. Einfach nur fatal.

Angstverhalten – unterschiedlicher geht es nicht

Masha kam aus dem rumänischen Shelter – und hatte deutlich sichtbar Angst. Sie traute sich nicht, uns anzuschauen. Sie traute sich nichts.

Dino kam aus dem rumänischen Shelter und starte uns mit aufgerissenen Augen an. Er traute sich ne Menge, aber dabei gähnte er ständig und seine Rute schien am Bauch festgetackert zu sein.

Beide hatten ne höllische Angst, doch sie zeigten sie auf unterschiedliche Art und Weise.

Angsthunde trainieren – aber wie?

Generell, jedoch leichter gesagt als umgesetzt: Bewahre deine Ruhe. Deine innere Haltung überträgt sich immer auf deinen Hund. Bist du ruhig, wirkt das ausgleichend auf den Hund. Bist du aufgeregt, strahlst du keine Sicherheit mehr aus. In den meisten Ratgebern geht es darum, positives Verhalten mit Leckerli oder mit dem Lieblingsspielzeug zu belohnen. Angsthunde trainieren geht nicht immer so einfach.

Was aber tun, wenn der Hund beides nicht nimmt? Weder Masha noch Dino sind an Leckerli interessiert. Und so geht es vielen Hunden und somit genauso vielen Hundemenschen, die mit nach Leberwurst riechenden Händen dastehen und der Hund zeigt einfach nur Angst.

Was also tun?

Warte nicht auf die Situation, in der das Angstverhalten übermächtig wird. Lobe den Hund, wenn er KEINE Angst zeigt. Wenn er fröhlich ist, gut gelaunt. So förderst du seine positiven Emotionen, anstatt nur auf negative Aktionen zu reagieren. Letztlich ist Angst eine Emotion und diese kann durchaus kontrolliert werden. Das dauert, funktioniert aber in jedem Fall.

Angst weitet sich aus – immer

Angenommen, dein Hund hat Angst vor dem fahrenden Verkehr. Dann wird er jedesmal, wenn sich ein Auto nähert, seine Angst zeigen, im Normalfall durch einen Fluchtversuch. Gut, wenn er ein gut sitzendes Sicherheitsgeschirr trägt…..Sitzt die Aktion-Reaktion fest – also fahrendes Auto=Flucht – wird sich das steigern, wenn ihr an einem geparkten Auto vorbeigeht. Als nächstes reicht es aus, wenn er von weitem ein Auto sieht – Angst zieht Kreise, die sich immer weiter ausdehnen.

Angsthunde trainieren – konkret

Es kommt natürlich auf den Angstauslöser an, kannst du diesen lokalisieren, dann lässt sich arbeiten. Hat dein Hund Angst vor fahrenden Autos, dann meide erstmal den Bereich nach Möglichkeit. Ein Hund muss nicht mit Zwang spazieren gehen, nur weil es „normal“ ist. Falls das nicht machbar ist, dann gehe mit ihm zu Uhrzeiten zum Lösen raus, wo wenig Verkehr ist. Bestärke ihn jedesmal, wenn er an irgendetwas schnuppert, sich fröhlich und angstfrei zeigt.

Gehe dann langsam – so weit es der Hund erlaubt – an ein Auto ran. Das kann dauern – hab Geduld, und gebe deinem Hund die Zeit. Ich stand mal im Hochsommer ca. ne Stunde vor ner stinkenden Biomülltonne, weil Masha um nichts in der Welt daran vorbei wollte. Wir standen also da und ich habe gewartet, bis sie sich wieder beruhigt. Sie durfte die Mülltonne so lange anglotzen, wie sie wollte. Und irgendwann, nachdem ich bereits durch den Gestank einer Ohnmacht nahe war, ging sie einen zögerlichen Schritt nach vorne. ich habe sie gelobt, geherzt, gebusselt. Und mit einem beherzten Satz sprang sie an der Mülltonne vorbei. Das ist insgesamt 4mal passiert. Heute interessieren sie Mülltonnen nicht mehr.

Handele immer vorausschauend

Vorausschauend bedeutet, dass du dich auf deinen Hund einstellst. Hat er beim Spaziergang offensichtliche Angst, jedoch nicht erkennbar, wovor? Dann lasse das mit dem Spaziergang. Dann gehst du 10 Schritte raus, kehrst um und gehst wieder zurück. Lasse deinen Hund das Tempo bestimmen. Lass ihn schauen, schnüffeln oder stehenbleiben. Sorge dafür, dass er lernt, dass nichts Schlimmes passiert.

Im Idealfall hast du die Möglichkeit, ein Alternativverhalten aufzubauen. Vielleicht kannst du deinem Hund in einer „sicheren“ Umgebung beibringen, auf Kommando Blickkontakt zu dir zu suchen. Kommt nun „draußen“ eine Angstsituation, lässt du deinen Hund nicht in diese eindringen, sondern sprichst ihn an, solange er noch ansprechbar ist. Angsthunde trainieren ist ein dauernder Prozess, das geht nie von jetzt auf gleich.

Grundsätzlich kann ein Angsthund trainiert werden, doch wenn sich Traumata bereits festgesetzt haben, dann kann es natürlich auch sein, dass du dir die Hilfe eines guten (!) Trainers holen solltest, denn einen Trainingsplan zu erstellen, erfordert schon einiges an Know-How – wobei hier dann sogar auch der Tierarzt mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Zu guter Letzt:

Bei Dino haben wir es auf Anraten unseres Tierarztes mit einem Adaptilhalsband versucht. Kurzes Fazit: Ja, es hat gewirkt. Dino war deutlich entspannter. Am Ende war es so, dass er sogar entspannter war, wenn er nur noch sein Halsband trug. Somit scheint sich die Wirkung wohl bestätigt zu haben, denn er verband das Halsband mit Entspannung.

ADAPTIL Calm Beruhigendes Halsband für Hunde, Größe M/L, mittelgroße und große Hunde, beruhigende Pheromone, Stressabbau für hyperaktive, ängstliche Hunde, Entspannung für Hunde, Reisen und stressige
  • Beruhigend für Hunde: Adaptil Calm Halsband ist geeignet, um Hunden zu helfen, sich in verschiedenen Stresssituationen entspannter zu fühlen, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich des Hauses, wie zum Beispiel beim Training, auf Reisen oder bei Besuchen beim Tierarzt

Letzte Aktualisierung am 14.04.2026 um 14:07 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API    

Ähnliche Beiträge

  • Sicherheitsgeschirr für Dino

    Warum geht Dino nur mit Sicherheitsgeschirr raus? Dino ist ein Hund, der seine eigenen Entscheidungen trifft. Typisch Herdenschutzhund eben. Während Masha bei Spaziergängen frei laufen darf, geht das bei Dino nicht. Wobei – auf unbekannten Wegen lassen wir auch Masha nicht frei laufen auch sie wird da ordentlich gesichert. Doch, was Dino betrifft: Ohne ein…

  • Angsthund? Traumhund

    Bevor Masha und Dino aus Rumänien zu uns einzogen, hatten wir nur ne ungefähre Ahnung von dem, was es bedeutet, einen „Angsthund“ zu haben. Klar, man bekommt es hier und da mit, hört dort etwas oder schaut sich gemütlich auf dem Sofa sitzend ne Folge mit Deutschlands berühmtesten Hundetrainer an. Aber was es wirklich heißt,…

  • Mashas Bruder kommt

    Wir haben ja berichtet, wie es mit Masha zu Beginn war. Der Tag der Ankunft und der Alltag mit unserem wunderbaren Tierschutzhund. Viel ist passiert seither. Wir sind in ein Haus mit einem riesigen Garten direkt an die Nordseeküste gezogen, was natürlich mit sehr viel Arbeit verbunden war, weswegen auch dieser Blog etwas zu kurz…

  • Urlaub mit Hund in Cuxhaven

    Strand, Watt und Schiffe gucken – Cuxhaven. Ein Flecken Erde hoch droben, wo es irgendwie immer windet und im Sommer unzählige fremde Kennzeichen die Straßen säumen. Cuxhaven für Touristen ist ein netter Ort, ganz sicher – doch was gilt für den Urlaub mit Hund in Cuxhaven? Ist es dann auch noch so nice? Hmmmm, schaun…

  • Pflegehund über Homeless Dogs Romania

    Ich habe ja nun bereits den Artikel „Homeless Dogs Romania – Erfahrungen“ veröffentlicht, in dem der Ablauf einer Hundeadoption geschildert wird. In diesem Beitrag jetzt mag ich gerne unsere Erfahrungen schildern, wenn man einen Pflegehund über diesen Verein aufnimmt. Ich werde natürlich keine Namen nennen, auch nicht von dem Hund. Auch auf Bilder verzichte ich,…

  • Darf ein Hund Käse essen?

    Eine äußerst leckere Frage, wie ich meine 🙂 Masha und Dino lieben Käse. Sie würden uns bedenkenlos in den Keller sperren, kämen sie dadurch an Käse ran. Amy hingegen verabscheut Käse, sie rümpft empört ihre kleine Nase, wenn wir ihr ein Stück des Schmankerls hinhalten. Doch darf ein Hund Käse essen? Oder schadet das womöglich?…

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert