Niereninsuffizienz beim Hund

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Die Niereninsuffizienz beim Hund tritt relativ häufig auf: Neun von 1.000 untersuchten Hunden leiden an chronischen Nierenerkrankungen. Und während bei Hunden jeden Alters die Nierenerkrankung diagnostiziert werden kann, ist sie bei älteren Hunden doch häufiger anzutreffen. Der Begriff “Insuffizienz” wird im Medizinischen für die eingeschränkte Funktionsfähigkeit eines Organes bezeichnet. Somit erklärt sich die Niereninsuffizienz beim Hund fast von selbst: Die Nieren arbeiten nicht mehr richtig.

Aufgrund eigener Erfahrung unserer Hundeseniorin “Nele” kam es zu diesem Artikel. Nach dem ersten Verdachtsmoment, vieler Untersuchungen durch den Tierarzt – einschließlich Röntgen, Blutbild und Ultraschall – stand ihre Diagnose fest: beginnende Niereninsuffizienz. Nach intensiver Recherche, dem Lesen etlicher Studienergebnisse, dem aufmerksamen Lauschen der Erläuterungen des Tieratzes, noch mehr Nachfragen, noch mehr Recherchen, kam dieser Beitrag heraus – der aber natürlich in keinem Fall einen Tierarztbesuch ersetzt!

Es versteht sich von selbst, dass Erkrankungen an den Organen in die Hände eines Tierarztes gehören! Dieser Artikel dient der reinen allgemeinen Information – der Tierarzt klärt über die richtige Behandlung auf den Patient zugeschnitten auf. 

Die Niereninsuffizienz beim Hund – schleichend, tückisch

Das Versagen der Niere kann so langsam ablaufen, dass es zu spät sein kann, die Krankheit effektiv zu behandeln, wenn die Symptome offensichtlich geworden sind. Oft findet die Niere Wege, um zu kompensieren, dass sie im Laufe von Monaten oder sogar Jahren an Funktionalität verliert. Während chronisches Nierenversagen nicht heilbar ist, kann eine solide Behandlung das Fortschreiten verlangsamen. Meist zielt die Therapie darauf ab, die Faktoren und die Symptome zu reduzieren.

Die Aufgaben der gesunden Niere

Die Nieren sind ein erstaunliches Organ. Sie bestehen aus Millionen winziger Einheiten und bleiben so lange funktionsfähig, bis zu 2/3 des Gewebes zerstört sind. Wenn bei einem Hund eine chronische Niereninsuffizienz diagnostiziert wurde, ist die Erkrankung über einen längeren Zeitraum aufgetreten. Die Nieren haben viele Funktionen. Sie dienen hauptsächlich dazu, Stoffwechselprodukte aus dem Blutkreislauf zu entfernen, den Gehalt an bestimmten essentiellen Nährstoffen wie Kalium und Natrium zu regulieren, Wasser aufzubereiten und Urin zu produzieren.  Unter anderem ist sie am Blutdruck beteiligt, ebenso am Blutzucker, dem Blutvolumen, der Wasserzusammensetzung im Blut und sie reguliert den pH-Wert sowie die roten Blutkörperchen und auch die Produktion bestimmter Hormone obliegt ihr. Die Nieren produzieren Erythropoietin, ein Hormon, das das Knochenmark zur Bildung roter Blutkörperchen anregt. Daher können viele Hunde mit Nierenstörungen kein Erythropoietin produzieren und haben eine Anämie oder eine niedrige Anzahl an roten Blutkörperchen. Synthetisches Erythropoietin kann das Knochenmark dazu anregen, rote Blutkörperchen zu bilden und die Anämie bei den meisten Hunden zu korrigieren. Hier wird der Tierarzt ein geeignetes Mittel verschreiben, falls nötig.

Symptome

Die Symptome treten oft allmählich über einen längeren Zeitraum auf. Darüber hinaus können die Symptome variieren und nicht alle der unten aufgeführten Symptome sind bei jedem Hund zu bemerken:

  • Erhöhtes Trinkverhalten
  • erbrechen
  • Lethargie
  • Verstopfung
  • Gewichtsverlust
  • Depression
  • Appetitlosigkeit
  • Blut im Urin
  • Ständiges Urinieren aufgrund der erhöhten Wasseraufnahme)

Niereninsuffizienz bedeutet, dass der Filtrationsprozess ineffizient und ineffektiv wird, ergo erhöht sich der Blutfluss zu den Nieren, um die Filtration zu steigern. Der Körper muss die Menge des durch die Nieren fließenden Blutes erhöhen, da immer weniger Stoffwechselgifte entfernt werden. Dadurch wird mehr Urin produziert. Damit der Hund nicht durch erhöhten Flüssigkeitsverlust im Urin austrocknet, trinkt der Hund viel mehr.

So ist eines der frühesten klinischen Anzeichen der Nierenstörung ein erhöhter Wasserverbrauch und dadurch ständiges Urinieren. Nach der Zerstörung von etwa 2/3 des Nierengewebes hinaus kann es zu einem raschen Anstieg der Abfallprodukte im Blutkreislauf und einem scheinbar plötzlichen Auftreten einer schweren Erkrankung. Die klinischen Anzeichen eines fortgeschrittenen Nierenversagens sind Appetitlosigkeit, Depression, Erbrechen, Durchfall und sehr schlechter Atem. Gelegentlich finden sich Geschwüre im Mund.

Ursachen

Ursachen für Nierenerkrankungen können Nierenerkrankungen, Harnwegsblockaden (Verstopfung der Harnwege oder der Harnleiter), bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, Lymphome, Diabetes mellitus und genetische (erbliche) Faktoren sein. Bei Hunden ist die Niereninsuffizienz häufig mit dem Altern verbunden und kann vereinfacht gesagt als “Abnutzung” des Nierengewebes angesehen werden. Das Alter des Auftretens hängt oft von der Größe des Hundes ab. Bei den meisten kleinen Hunden treten die ersten Anzeichen einer Niereninsuffizienz  im Alter von etwa zehn bis vierzehn Jahren auf. Große Hunde haben jedoch eine kürzere Lebensdauer und können bereits im Alter von sieben Jahren Anzeichen einer beginnenden Störung zeigen.

Diagnose

Im Normalfall wird der Tierarzt deinem Hund Blut entnehmen, um ein vollständiges Blutprofil zu erstellen, ebenso wird eine Urinanalyse anstehen. Die Niereninsuffizienz beim Hund zeigt sich häufig im Blutbild mit Anämie, anormale Elektrolytwerte und einem erhöhten Blutdruck. Der Gehalt an bestimmten Eiweißenzymen und Chemikalien wie Kreatininin und Blut-Harnstoff-Stickstoff  ist ebenfalls in den meisten Fällen erhöht.

Ein weiterer guter Indikator für die Niereninsuffizienz beim Hund ist der konzentrierte oder verdünnte Urin, der auf die Unfähigkeit der Niere hinweist, den Urin korrekt zu verarbeiten. Röntgen- oder Ultraschallbilder können verwendet werden, um die Größe und Form der Niere(n) des Hundes zu beobachten, um festzustellen, ob es sichtbare Anomalien gibt. Häufig führt die Einschränkung der Niere dazu, dass das Organ abnormal klein wird.

Ältere Hunde sind häufiger betroffen.
Die Nieren arbeiten nicht mehr voll.

Die Behandlung der Niereninsuffizienz beim Hund

Obwohl es keine Heilung für das Nierenleiden gibt, können zahlreiche Einzelaspekte die Symptome lindern und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen. Zum Beispiel ist die Fütterung des Hundes mit einer speziell formulierten Nierenernährung oder einer anderen protein-, phosphor-, kalzium- und natriumarmen Ernährung in der Regel sehr hilfreich. Diese speziellen Futtermittel haben in der Regel einen höheren Gehalt an Kalium und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren), die sich beide als vorteilhaft für die Nieren erwiesen haben. Der Nachteil ist, dass diese Lebensmittel nicht unbedingt aromatisch sind. (Glücklicherweise ist Nele eine rasante Fressmaschine, ihr fällt vermutlich überhaupt nicht auf, dass ihr Futter proteinreduziert und somit geschmacklich kein Schmankerl ist). Ich werde später gerne das mir empfohlene Nierendiätfutter vorstellen, welches Nele seit der Diagnose Niereninsuffizienz bekommt.

Wenn dein Hund gegen seine neue Nahrung partout resistent zu sein scheint – er es also einfach nicht frisst, kannst du in Absprache mit dem Tierarzt kleine Mengen Thunfischsaft, Hühnerbrühe oder andere Geschmacksverstärker unter Anleitung verwenden. Frage hierzu am besten beim Tierarzt genau nach.

Die Aufrechterhaltung des Flüssigkeithaushaltes ist entscheidend. Es muss sichergestellt sein, dass der Hund immer eine ausreichende Menge an sauberem Trinkwasser zur Verfügung hat. Wenn beim Hund bereits eine Dehydrierung diagnostiziert wurde, können vom Tierarzt zusätzliche Flüssigkeiten intravenös oder unter die Haut (subkutan) gegeben werden.

Das Leben mit einem nierenkranken Hund

Niereninsuffizienz ist eine fortschreitende Erkrankung. Hunde, die von dieser Krankheit betroffen sind, sollten gut beobachtet werden, einschließlich häufiger Kontrolluntersuchungen, um sofort reagieren zu können, wenn die Medikation oder das Futter angepasst werden muss.

Die Prognose des Hundes hängt von der Schwere der Erkrankung und dem Stadium des Fortschreitens ab, aber es kann durchaus mit einer monate- bis jahrelanger Stabilität – bei richtiger Behandlung – gerechnet werden. Der beste Weg der Behandlung ist die vom Tierarzt verordneten Maßnahmen einzuhalten.

Was bedeutet “Chronisches Nierenversagen”?

Viele Menschen denken, dass “chronisches Nierenversagen” bedeutet, dass die Nieren nicht mehr funktionieren und keinen Urin mehr produzieren. Glücklicherweise ist dies nicht der Fall. Chronisches Nierenversagen ist definitionsgemäß die Unfähigkeit der Nieren, das Blut ihrer physiologischen Abfallprodukte effizient zu filtern, beschreibt aber nicht die Unfähigkeit, Urin zu produzieren. Ironischerweise produzieren die meisten Hunde bei Nierenversagen große Mengen an Urin, doch die giftigen Abfälle des Körpers werden nicht effektiv beseitigt.

Die Ernährung bei der Niereninsuffizienz beim Hund

Eine spezielle Ernährung ist einer der Eckpfeiler in der effektiven Behandlung von Hunden mit der beschrieben Nierenproblematik. Die ideale Nahrung ist eiweißarm, phosphorarm und wird nicht angesäuert. Diese Nahrung hilft, die Menge an Eiweißabfällen oder “Stoffwechseltoxinen” zu reduzieren, die das Tier krank und träge machen können. Bei fortgeschrittenen Nierenerkrankungen verringert eine verminderte Proteindiät auch die Arbeitsbelastung der Nieren. Ernährungswissenschaftler haben kommerzielle therapeutische Diäten entwickelt, die für die Behandlung verschiedener Stadien chronischer Nierenerkrankungen entwickelt wurden. Der  Tierarzt wird die geeignete Nahrung empfehlen, die die erforderliche Menge und Qualität an Nährstoffen für den Hund enthält.

Unser Futter für Nele:

Wie versprochen, möchte ich dir am Ende noch ganz kurz vorstellen, welches Futter uns für Nele empfohlen wurde, es handelt sich um ein Futter mit reduziertem Eiweißgehalt sowie einem geringen Phosphorgehalt. Das Futter wurde speziell für die Niereninsuffizienz beim Hund entwickelt und so hoffen wir, mit Nele noch viele Jahre erleben zu dürfen. Natürlich steht sie regelmäßig auf dem Untersuchungstisch unserer Tierärztin – doch mit diesem Futter leisten wir unseren Beitrag.

Wichtig!
Alle bereitgestellten Informationen auf tierisch-gesundes.de sind ausschließlich informeller Natur. Sie ersetzen keineswegs den Tierarzt!
Martina Pfannschmidt
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