Augenblicke

Wie schön es wäre, könnte ich einmal mit den Augen unserer Zwerge die Welt sehen.
Nele hat mich inspiriert einmal mehr darüber nachzudenken, wie weit es mit der Sehstärke unserer Hunde her ist. Denn, Nele läuft in ihrer Verträumtheit  schon mal gegen den einen oder anderen Gegenstand oder gar gegen eine Wand. Sieht sie das Hindernis nicht oder achtet sie einfach nicht auf ihre Umgebung? Nele ist zwar schon zehn Jahre alt aber eben auch erst zehn Jahre alt. Ein Besuch bei unserer Tierärztin sorgte schon mal für Entwarnung, denn sie versicherte uns, Neles Augen seien in Ordnung.
Dennoch…, für mich ist dies Anlass genug, der Sehkraft des Hundes mal auf den Grund zu gehen und euch hier im Hundeblog daran teilhaben zu lassen.

Der Augenaufbau des Hundes verglichen mit dem des Menschen

So groß ist der Unterschied gar nicht. Das Auge des Hundes, im Übrigen auch aller anderen Säugetiere, gestaltet sich wie folgt: Zuerst kommt die Hornhaut, dann die Iris, dann die Linse, dann die Netzhaut und dann der Sehnerv. Hornhaut und Linse haben die Fähigkeit das Licht zu so zu bündeln, dass es haargenau auf auf die Netzhaut trifft. Die Iris ist allgemein bekannt als Pupille. Sie achtet streng darauf , dass nicht zuviel Licht in unser Auge kommt, indem sie sich verkleinert oder vergrößert, je nach Lichteinfall. Desto mehr Licht, desto kleiner wird die Pupille, im Dunkeln geht sie ganz auf. Die Netzhaut ist eine Schicht mit vielen Nervenzellen, diese Nervenzellen wandeln das einfallende Licht in elektrische Impulse um. Dieser elektrische Impuls wiederum wird über den Sehnerv an das Gehirn bzw. an die Sehrinde weitergeleitet. Und hier nun entsteht das Bild.

Einzig die Form der Pupille und die Lichtempfindlichkeit  sind verschieden. So ist zum Beispiel beim Rind die Form der Pupille queroval, bei einer Katze schlitzförmig und beim Hund, genau wie bei uns Menschen, rund.
Die Lichtempfindlichkeit der Augen ist bei Hunden deutlich größer als bei uns Menschen, bei Katzen noch mal um ein vielfaches größer als beim Hund.

Amy's Augen lügen nicht
Amy’s Augen lügen nicht

So sehen Hunde

Bewegte Objekte werden vom Hund deutlich besser wahrgenommen als starre Objekte. Am Tage jedoch sind wir dem Hund und sogar der Katze im Sehen von beweglichen Objekten deutlich überlegen. Das liegt am Bereich des schärfsten Sehens der Netzhaut. Bei Dämmerung und Dunkelheit jedoch kann das menschliche Auge, verglichen mit den unserer Vierbeinern, nicht mehr mithalten.
Auf Fotos und auch bei bestimmten Lichteinfall kann man sehen, dass die Augen unserer vierbeinigen Freunde mystisch grün leuchten. Verantwortlich dafür ist die reflektierende Schicht in der Netzhaut, die wie ein Lichtverstärker wirkt. Dieses reflektierende Licht, das als  Tapetum lucidum bezeichnet wird, trifft bei Dunkelheit auf das Auge und zaubert das grünliche Licht dort rein.
So verfügen Hunde, entgegen der allgemeinen Meinung, über eine hervorragende Nachtsicht.

Das Gesichtsfeld des Hundes

Über unglaubliche 250° Blickwinkel verfügt das Gesichtsfeld des Hund  und ist damit sogar einer Katze überlegen, dessen Blickwinkel “nur” über 200° beträgt. Etwas abgeschlagen kommt der menschliche Blickwinkel nur auf 180°. Dieser Blickwinkel ist es, der unseren Hunden die gute Nachtsicht ermöglicht. Mit nur einem Auge kann ein Hund den Bereich von 150° seiner Umgebung abdecken. Wenn sich in diesem Bereich auch nur eine Kleinigkeit bewegt, nehmen Hunde das sofort wahr. Sie können, aufgrund der seitlichen Lage ihrer Augen, sogar schräg nach hinten sehen ohne den Kopf herum zu drehen.

Sasha' Blick steckt voller Liebe
Sasha’ Blick steckt voller Liebe

Ist die Welt der Hunde bunt?

Nein! Soviel ist sicher! Hunde verfügen nicht über das farbliche Spektrum des menschlichen Auges. Hunde können verschiedene Grautöne gut unterscheiden, aber alles was bei uns farblich in rot, grün, orange oder violett ankommt, kommt bei Hunden in weiß über grau bis hin zu hellem blau an.
So muss sich ein Blindenführhund zum Beispiel an andere Charaktere einer Ampel orientieren wie wir. Vermutlich verfolgt er die Positionen der Ampelfarben oder er orientiert sich an die jeweilige Helligkeit der Farben.

Wie scharf sehen Hunde?

Weitaus weniger scharf als der Mensch. Auf kurzer Distanz ist für den Hund alles komplett unscharf, er könnte keine Zeitung ohne eine Riesenlupe lesen.
Aus einer kurzen Entfernung, ein bis drei Meter, kann ein Hund keine Linien erkennen. Er sieht lediglich den linken und rechten Rand, die Mitte ist für ihn ein schwarzes Feld.
Das gilt nicht nur für Hunde, bei Katzen sieht das ähnlich aus.
Das haben Hund und Katze dem Umstand einer Hornhautverkrümmung zu verdanken. Die Brechkraft der Linse des Hundes liegt, mit etwa 40 Dioptrien, weit über die des Menschen, mit etwa 20 Dioptrien. So hat das Auge des Hundes kaum die Fähigkeit des Scharfstellens der Linse.

Mein Fazit

Wer es mag kann mit seinem Hund problemlos auch im Dunkeln spazieren gehen. Vorausgesetzt eure Fellnase ist absolut zuverlässig abrufbar, kann er auch ohne Leine laufen. Um euren Hund gut sehen zu können, empfiehlt sich ein beleuchtetes Hundehalsband, die bekommt man ja schon fast hinterher geworfen.
Euer Hund ist euch bei Dämmerung und Dunkelheit seh-technisch komplett überlegen, deswegen empfiehlt sich auch eine gute Taschenlampe, damit auch ihr ein bisschen mithalten könnt. Gerade Giftköder oder wegwechselndes Wild solltet ihr vor eurem Hund sehen, denn sieht er es vor euch, kann es sein, dass sein Verhalten in der Dunkelheit stark von seinem Verhalten bei Tag abweicht.

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